Das Dach der Elbphilharmonie und Kräne © Maja Hitij/dpa

Unfertige Planung, mangelnde Kontrolle vonseiten der Politik und Chaos auf der Baustelle sind schuld am Desaster beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Zu diesem Urteil kommt der Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der von den Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft diskutiert wurde. Auf 724 Seiten geht es um die Frage, wie es zu den dramatischen Kostensteigerungen und Bauverzögerungen kommen konnte. "Der Bericht offenbart ein schonungsloses Bild, was alles falsch gelaufen ist", sagte der Vorsitzende, Ole Thorben Buschhüter (SPD).


Der Bericht über die Vorgänge bis Ende 2008 nennt erstmals auch Namen von Verantwortlichen. Demnach wollten alle Beteiligten das Konzerthaus unbedingt bauen, ohne den Steuerzahlern die wahren Kosten zu präsentieren – die mittlerweile zehn Mal so hoch sind wie ursprünglich geplant. Von ursprünglich 77 Millionen sind sie inzwischen auf 789 Millionen Euro gestiegen, die Eröffnung wurde von 2010 auf 2017 verschoben.

Für die wichtigsten Fehlentscheidungen des Projekts – die verfrühte Ausschreibung und das komplizierte Dreiecksverhältnis zwischen Stadt, Hochtief und den Architekten – ist demnach die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) mit ihrem Chef Hartmut Wegener verantwortlich. Die politisch Verantwortlichen, allen voran Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Chef der Senatskanzlei, Volkmar Schön (CDU), seien ihrer Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden und hätten sich zu wenig um Details gekümmert.

Politiker sehen Versäumnisse im Senat

"Der politische Anspruch, die Elbphilharmonie zu einem der zehn besten Konzerthäuser der Welt zu machen, kollidierte hart mit den knappen Geld- und Zeitressourcen", sagte die Grünen-Politikerin Eva Gümbel. Auf Kosten interner Prüf- und Kontrollmechanismen sei der Fokus auf den "Macher" Wegener gelenkt und das Projekt von der allein verantwortlichen Rege an den Behörden vorbei organisiert worden. Außerdem seien die Baukosten künstlich niedrig kalkuliert und durch Übernahme von Bauherrenrisiken weiter gedrückt worden.

Der Bericht listet nach Ansicht der SPD die Versäumnisse der Vorgängersenate auf: "Sei es die Ausschreibung auf Grundlage einer lückenhaften Planung, das Ignorieren von Warnsignalen oder der Irrglaube, wenn der Beton erst einmal fließt, werde sich alles nach hanseatischer Kaufmannstradition einvernehmlich zum Guten regeln lassen", sagte der SPD-Politiker Frank Schmitt.

Die Linke wirft dem ehemaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) vor, das Projekt Elbphilharmonie zwar zur Chefsache erklärt, sich dann aber nicht darum gekümmert zu haben. "Weder er noch die ihn beratende Senatskanzlei kamen ihren Kontrollpflichten ansatzweise nach. So konnte die Rege nach Belieben schalten und walten", sagte Norbert Hackbusch. Die Übernahme der Bauherrenrolle für Hotel, Parkhaus und Gastronomie durch die Stadt im Sommer 2006 sei der eigentlichen Geburtsfehler des Projekts.

Kritik auch an Architekt und Baukonzern

Auch die Architekten Herzog & de Meuron und der Baukonzern Hochtief kommen in dem Bericht nicht gut weg. Weil fertige Baupläne nicht rechtzeitig vorgelegen hätten, sei es zu einer "chaotischen Situation einer aufwendigeren Planung parallel zum Bau" gekommen. Über den Baukonzern Hochtief äußert der Bericht die Vermutung, das Unternehmen habe den Angebotspreis von Anfang an niedrig kalkuliert, um später Nachforderungen zu stellen.

Am Samstag sollen die Beratungen fortgesetzt werden, dann haben die Betroffenen vier Wochen Zeit, Stellung zu nehmen. Anfang April soll der Abschlussbericht verabschiedet werden.