In Norwegen ist ein Streit über das geplante Denkmal für die Opfer des Amokläufers Andres Behring Breivik entbrannt. Angehörige der Getöteten wandten sich gegen die Pläne für eine Memory Wound des schwedischen Künstlers Jonas Dahlberg. "Ich bin nicht gegen die Gedenkstätte als solche", sagt Vanessa Svebakk, Mutter des mit 14 Jahren jüngsten Opfers. "Doch wie es ausgewählt wurde und der Ort sind ein Problem für mich." Mit anderen Angehörigen fordert sie, das Projekt gründlich zu überarbeiten.

Auch bei Nachbarn der geplanten Gedenkstätte gibt es Bedenken. "Es fällt uns ein bisschen schwer zu akzeptieren, dass wir für den Rest unseres Lebens jeden Tag an den 22. Juli erinnert werden", sagte Anwohner Ole Morten Jensen dem öffentlichen Sender NRK. "Ich brauche solche Mahnungen nicht. Ich habe auch so schon genug Erinnerungen." Die Auswahljury wies die Kritik an den Plänen für die zerschnittene Insel zurück.

Im Gedenken an das Massaker auf der Insel Utøya will der schwedische Landschaftskünstler Jonas Dahlberg einen dreieinhalb Meter tiefen Spalt in eine kleine Landzunge gegenüber der Insel graben, wo Anders Breivik am 22. Juli 2011 69 Menschen erschoss, nachdem er in Oslo acht Menschen mit einer Bombe getötet hatte.

An einer Seite der symbolischen Wunde will Dahlberg die Namen der Opfer eingravieren, auf der anderen Seite eine Besuchergalerie installieren. Ende Februar wurde Dahlbergs Entwurf ausgewählt. Wie "eine Wunde oder ein Schnitt in der Landschaft" symbolisiere dies, "dass etwas weggenommen wurde", schrieb die Auswahljury. 

Angehörige fühlen sich nicht ausreichend beteiligt

Vanessa Svebakk kritisierte, dass die Angehörigen nicht ausreichend am Auswahlverfahren beteiligt waren, das Ende 2012 begonnen worden war. "Es ist arrogant, die Namen der Kinder zu benutzen, ohne uns zu fragen. Obwohl sie tot sind, sind sie noch immer unsere Kinder", sagte Svebakk. Es komme nicht in Frage, den Namen ihrer Tochter dort anzubringen, ein paar Hundert Meter entfernt von der Stelle, wo sie starb.

Gegner starteten eine Kampagne auf Facebook, die schon fast 900 Mitglieder zählt. Manche verurteilen das Projekt als "Vergewaltigung der Natur" und "Touristenattraktion", die zudem zur Pilgerstätte für Breivik-Bewunderer werden könnte. Der Geologe Hans Erik Foss Amundsen wies darauf hin, dass das Felsgestein an der gewählten Stelle porös sei und mitsamt den Namen der Opfer ins Meer abbröckeln könnte: "Es ist, als grabe man sich durch einen Haufen Kies."

Denkmal-Befürworter hoffen auf Abebben der Kritik

Die Befürworter des Denkmals, das am 22. Juli 2015 eingeweiht werden soll, zeigen sich trotzdem zuversichtlich. "Öffentliche Kunst ruft immer eine Vielfalt von unterschiedlichen Sichtweisen hervor, vor allem bei einem Werk, das an ein Drama wie Utøya erinnert", sagte Svein Björkaas, Direktor der norwegischen Organisation für öffentliche Kunst Koro. "Aber die Erfahrung lehrt, dass die Kritik nach einer gewissen Zeit abnimmt."

Der Juryvorsitzende Jörn Mortensen wies die Vorwürfe zurück: "Der Ort der Gedenkstätte war von Anfang an vom Staat vorgegeben. Der Vizevorsitzende der Gruppe der Opferfamilien war Mitglied des Auswahlkomitees." Die Opfer könnten auch anonym bleiben, betonte er. Für Probleme mit porösem Untergrund gebe es "technische Lösungen", sagt Mortensen. "Unsere Aufgabe ist es, einen Ort der Erinnerung zu schaffen, und nicht einen Ort des Vergessens."