Kurz vor dem Ziel: die Seite der Krautreporter am Freitag © Krautreporter

Vor einigen Tagen mailte einer unserer Mitarbeiter. Wir hatten die Autorenzeile über seiner Rezension vergessen. "Wir freie Autoren haben doch nichts außer unserem Namen", schrieb er und setzte einen Smiley hinter den Satz. Dabei ist daran nichts zum Lachen, der Journalismus gehört zu den harten Branchen, in denen Selbständige unter prekären Bedingungen arbeiten.

 

Einige dieser freien Autoren haben sich am 13. Mai zusammengetan und ein bisher beispielloses Projekt in der deutschen Medienlandschaft gestartet: das Magazin Krautreporter. 15.000 Unterstützer brauchten sie, 900.000 Euro wollten sie sammeln, um davon ein Jahr Journalismus zu finanzieren. Sie wollten, proklamierten sie in Video-Statements, ein Magazin machen, das unberührt ist vom Quotendruck, Tickerwahn und Boulevard und das allein von seinen Lesern getragen wird.  

Das Wohlwollen, das dem Unternehmen anfangs entgegengebracht wurde, wich in der vergangenen Woche zunehmender Häme. Je aussichtsloser der Crowdfunding-Countdown erschien – Anfang der Woche fehlten noch 7.000 Unterstützer –, desto mehr Prügel bezogen die Journalisten für ihr Projekt. Zu arrogant, hieß es, zu pauschal sei von ihnen der Onlinejournalismus kritisiertworden.

Die Debatte schaukelte sich vor allem an einer Aussage der Krautreporter hoch: "Der Onlinejournalismus ist kaputt." Gemeint war damit die hohe Abhängigkeit von Klicks und Werbeeinahmen, der hohe Druck, Dinge billig zu produzieren und zu veröffentlichen, die vor allem "klicken", unabhängig von ihrer Relevanz. Die Krautreporter meinten damit nicht, dass alles, was online zu sehen ist, Schrott sei. Es gibt unzählige Beispiele für aufwändige Reportagen und Multimediaprojekte, aber um die ging es gar nicht.

Trotzdem brachte dieses Statement viele, vor allem Onlinejournalisten, in Rage. Sie fühlten sich missachtet. Zu Unrecht. Aber wo viel Rage ist, steckt meist auch viel Schmerz. Und eine Wahrheit, die man nicht sehen will.   

Der Druck auf Onlinemedien geht zu Lasten der freien Autoren

Die Wahrheit ist: Der Druck, dass Onlineprodukte nichts kosten dürfen, weil sie weniger Einnahmen generieren als klassische Zeitungen und Zeitschriften, ist hoch und zu viele geben ihm zu oft nach. Das zeigt sich vor allem im Umgang mit freien Autoren.

Die Rollen in diesem Kampf waren bisher klar verteilt: Auf der einen Seite große Verlage mit ihren Redaktionen, die Honorare von Freien drücken und Texte ohne Rückfragen umschreiben. So etwas gibt es in jedem Medium, allerdings ist das "Schmerzensgeld" für die Autoren online geringer. Text- und Bildhonorare liegen meist deutlich unter denen, die Printredaktionen aus dem gleichen Verlag zahlen.

Diese Reporter sagen: Meine Arbeit ist etwas wert

Auf der anderen Seite die Autoren, die gegen eine große Anzahl von Mitbewerbern bestehen und akzeptieren müssen, was sie bekommen. Und die dazu noch oft um die Möglichkeit gebracht sind, einen Text mehrfach zu verkaufen. Früher war das ein funktionierendes Modell, Regionalzeitungen störte es nicht, wenn ein Text in einer anderen Gegend schon einmal erschienen war. Google stört das sehr wohl, es bestraft doppelte Veröffentlichungen mit geringerer Sichtbarkeit, dementsprechend schwer ist es für Freie, ihre Artikel bei mehreren Onlineredaktionen unterzubringen.  

Die Krautreporter nun haben diese Kräfteverteilung ein wenig aus dem Lot gebracht. Auf einmal steht dort eine Reihe von selbstbewussten Autorinnen und Autoren, die sagen: Meine Arbeit ist etwas wert. Ich will sie gründlich machen, und ich will sie direkt an meine Leser verkaufen, ohne einen Verlag, eine Redaktion dazwischen, denn schließlich sind die Leser meine Partner und nicht die Anzeigenkunden.