An der Kasse der Berliner Primark-Filiale im Stadtteil Steglitz © Sean Gallup/Getty Images

Routinierte Primark-Kunden wissen, dass man ein Made-in-Schildchen meist vergeblich in den Sachen sucht. Stattdessen haben britische Kunden nun eingenähte Botschaften in einem Kleid und Top gefunden. Die textilen Hilferufe wie "Degrading Sweatshop Conditions" oder "Forced to work exhausting hours" erregten in den vergangenen Tagen viel Aufsehen. Aus einer bereits vor drei Jahren erworbenen Hose rief es: "SOS! SOS! SOS!" Darunter stand in chinesischen Schriftzeichen die Aussage, dass man wie die Ochsen schuften müsse und das Essen selbst für Tiere ungenießbar sei.

Mittlerweile gibt es Zweifel darüber, ob die Botschaften echt sind. Es kursiert die Vermutung, dass es sich auch um eine verdeckte Marketingaktion im Guerilla-Stil handeln könnte, hinter der eine Agentur steckt. Fehlte nur noch, dass Kunden es fortan schick finden, in ihren eben erworbenen Sachen nach den geheimnisvollen Kassibern zu suchen. Primark teilte inzwischen mit, dass es sich bei den Hilferufen wahrscheinlich um Fälschungen handele. So hätten Untersuchungen ergeben, dass mindestens zwei der Botschaften vom selben Urheber stammten, die beschrifteten Kleidungsstücke aber in unterschiedlichen Fabriken produziert wurden – eines in Rumänien und das andere in Indien. Der Konzern untersuche die Vorfälle weiter. 

Bisher sind die rätselhaften Zettelchen nur in Großbritannien aufgetaucht, was für eine weltweit agierende Modekette ungewöhnlich ist. Ob echt oder nicht: Primark ist, wenn auch noch nicht allen in Kleiderschränken, so doch mal wieder im Gespräch.

Ein Spätsommernachmittag in Berlin. Eine junge Frau schmiegt sich in der Straßenbahn an ihren Freund. Er spielt mit seinem Handy. Sie blickt gedankenverloren über den Alexanderplatz, über den die Bahn jetzt im Schritttempo fährt, legt ihren Kopf auf seine Schultern und seufzt. "Ey", sagt sie plötzlich, und man hätte ihr diese Entschiedenheit in der Stimme gar nicht zugetraut, richtet sich auf, nimmt das kleine hässliche, nikotinfarbige Haus gegenüber von C&A ins Visier und sagt: "Wenn hier endlich Primark einzieht, dann ist mein Leben perfekt."

Die Perfektionierung lässt nicht mehr lange auf sich warten. Am 3. Juli eröffnet die Filiale in bester Lage mit drei Ebenen und 5.230 Quadratmetern Verkaufsfläche. 700 Mitarbeiter sollen eingestellt werden. Auf dem Alexanderplatz wirbt – ausnahmsweise – ein riesiges Plakat für den Eröffnungstag; mindestens drei bunte Heißluftballone ließen sich daraus nähen. Eine Filiale mehr, die den enormen Umsatz, den die irische Kette alljährlich erwirtschaftet, garantiert vermehren wird. Im vergangenen Jahr stieg er um 22 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro, und eine Stagnation ist nicht in Sicht. Dem Unternehmen geht es so gut wie nie. Begonnen hat es 1969 als kleiner Ableger einer der größten Lebensmittelkonzerne der Welt, der Associated British Foods (ABF), die früher vor allem mit Zucker, Brot, Tee und Lebensmittelzusätzen für die Bäckerindustrie erfolgreich war. Auch die hierzulande bekannte Ovomaltine kommt von diesem Konzern.