Zeiten der Krise sind trübsinnig. Mit all den Zukunftsperspektiven geht schließlich als erstes die gute Laune flöten. Neben Ideen und Konzepten, brauchen Zeiten der Krise daher zunächst mal Worte der Hoffnung. David Schraven hätte da ein paar. Zehn, um genau zu sein: "Tatsächlich leben wir in einer der besten Zeiten für Journalisten", sagt der erfahrene Reporter.

Das klingt nach dem sprichwörtlichen Pfeifen im Walde. Doch Schraven – ausgebildet im alternativen taz-Milieu, gereift bei der großen Süddeutschen – pfeift nicht bloß so vor sich hin, er tut auch was: Mit drei Gesinnungsgenossen hat der 43-Jährige Correct!V (sprich: Korrektiv) gegründet – das erste gemeinnützige Recherchebüro im deutschsprachigen Raum, wie die Homepage seit heute verkündet. Finanziert durch Fördergelder will es "Bedrohungen und Herausforderungen unserer Gesellschaft, zu Machtmissbrauch und Korruption in Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur, zu Themen wie Umwelt, Bildung, Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit oder Rechtsradikalismus und Islamismus" ausleuchten. Und nicht nur das. Die Ergebnisse sollen der Allgemeinheit kostenlos auf allen Medienkanälen zugänglich gemacht werden.

Jetzt hat die Plattform nach längerem Raunen auch offiziell ihre Pforten geöffnet, um die Branche – nein, nicht zu revolutionieren, wie David Schraven beteuert. Sondern zu ergänzen. Denn anders als die selbsternannten Retter der alten Medien namens Krautreporter, anders auch als all die Redaktionsgemeinschaften und Freelancer-Kollektive da draußen, basiert das Geschäftsmodell der Correct!Visten nicht auf instabilen Ertragsquellen wie Crowdfunding. Die gemeinnützige GmbH arbeitet eher in Form einer Stiftung, durchaus umsatzorientiert, aber frei von Renditedenken. Und das hat viel mit David Schravens ehemaligem Arbeitgeber zu tun, der WAZ.

Drei Millionen Euro Fördergeld als Starthilfe

Dort war er Ressortleiter des Recherchepools, und als er das analoge Dickschiff mit dem neuen Namen Funke-Gruppe Anfang Juni verließ, nahm er satte drei Millionen Euro Fördergeld der angesehenen Brost-Stiftung mit in die Selbstständigkeit. So finanziert ausgerechnet die langjährige Chefin des westfälischen Zeitungskonzerns, Anneliese Brost, ein Projekt, das den redaktionellen Verkündungsjournalismus früherer Tage auf eine neue Ebene hieven soll. Aus Sicht von Schraven und seinen Mitstreitern auf eine höhere.