Wir sind uns bestimmt einig: Männermagazine sind überflüssig. Männermagazine sind zu häufig sexistisch, ihr Hochglanz ist zu einschüchternd für unsere durchschnittlichen Leben, sie bestehen aus zu viel Werbung und behandeln Themen, die zu wenig mit dem zu tun haben, was wir ernsthaft Lebensrealität nennen würden. Trotzdem gibt es schon wieder ein neues Männermagazin: Manual macht uns unsere sorgsam aufgebaute, ablehnende Haltung allerdings nur auf den ersten Blick einfach.

Bei Manual ist der Name Programm. Das Magazin will ein Lebensleitfaden für Männer sein. Auf so gut wie jeden Artikel folgt ein kleiner Ratgeberteil, das Magazin versteht sich als "modernes Handbuch für den Mann". Das Cover-Layout wirkt dabei gar nicht modern – neongrün und kursiv klebt der Schriftzug Manual wie ein Fremdkörper in der Bildmitte, klein und weiß darunter ein erster Hinweis, was den Leser erwartet: "Jetzt bist du dran". Das kann als Drohung verstanden werden, schließlich wird die Titelgeschichte mit "Der Bart muss ab" angekündigt. 

Kein Grund für den Hipster-Mann sofort die Fäuste zu heben, Manual will dem Hipster-Mann nämlich gar nicht an den Bart. Er umpinselt ihn geradezu. Der Hipster-Mann gilt in fast jedem Artikel als Musterbeispiel, er wird ein ganzes Heft lang in seinen verschiedenen Ausprägungen porträtiert, mal als fotografierender Kaffeeröster mit Siebziger-Jahre-Ferrari-Fahrrad, mal als zur Miete wohnender Münchner Innenarchitekt mit eigener Berghütte in den Voralpen, mal als junger, erfolgreicher Drehbuchautor, der nebenbei ein Nagelstudio für Männer eröffnet. Immer schwingt die Botschaft mit: Das könntest Du sein, lieber Leser, bei uns erfährst Du, wie das geht. 

Die Wahrheit heißt Casio statt Rolex

Nun ist das alles in seiner kalkulierten Originalität natürlich nicht besonders originell, und doch sind diese Kurzporträts genau das, wodurch sich Manual von anderen Männermagazinen unterscheiden will. GQ, Men's Health und ein gutes Dutzend weiterer Männermagazine, sie alle wollen ihn ansprechen, den Helden des Alltags, den echten Kerl, den Mann mit der starken Persönlichkeit, das erfolgreiche und gesundheitsbewusste Alphatier. Was natürlich meint: den berufstätigen, einkommensstarken Mann Mitte 30, der sich auch mal eine von den Luxus-Armbanduhren leisten kann, die in Männermagazinen so beständig beworben werden. Dabei wird häufig übersehen, dass viele Mittdreißiger sich als freie Mitarbeiter durchschlagen und höchstwahrscheinlich längst verlernt haben, an so etwas wie eine finanziell sichere Zukunft zu glauben. Fehlende finanzielle Sicherheit bedeutet dann eben Casio statt Rolex.

Die Manual-Redaktion hat sich augenscheinlich die Frage gestellt, was den Mann von heute ausmacht. Und über genau diesen Mann von heute gibt es unzählige Umfragen, Analysen, Erhebungen. Mit wenig verblüffenden Erkenntnissen: Der Mann von heute will zwar beruflich erfolgreich sein, vor allem aber will er viel erleben und, Überraschung, sich selbst verwirklichen. Was ihm offensichtlich nicht besonders wichtig ist: Uhren für 20.000 Euro oder rahmengenähte Schuhe für den Preis einer Monatsmiete. Die Lieblingsmarken des Mannes von heute lauten Umfragen zufolge Adidas, Nike, Levi's und, besonders erschütternd, Jack Wolfskin und Esprit.