Prolog

"Liebe Fahrgäste zum Brandenburger Tor. Die Fanmeile ist seit 18 Uhr wegen Überfüllung geschlossen. Die Polizei hat abgesperrt und lässt niemanden durch. Dieser Zug hält nicht am Brandenburger Tor. Bitte benutzen Sie die Haltestellen Potsdamer Platz und Friedrichstraße."

"Ey Özkan, Fanmeile is zu!" – "Echt jetzt?" – "Ja Mann, hab ich doch gesagt, dass die dicht machen." – "Scheiße. Hätt’ ich nich gedacht bei dem Wetter."

Erster Akt

Auf der Bühne spielt eine Band zur Einstimmung. Der Sänger hüpft immer wieder in die Luft und brüllt in sein Mikrofon, sehr laut: "Wir alle werden unsere Energie dran setzen, dass Deutschland heute den WM-Pokal nach Berlin bringt. Die Letzten, die noch sitzen: Steht auf! Steht auf! Ihr seid die Fans! Ihr seid Berlin!"    

Oleeeee, oleeeee, oleeoleeooolee, Superdeutschland, Superdeutschland, Superdeutschland, oleeeole.

Eine junge Frau zu ihrer Freundin: "Mann, wir werden morgen keine Stimme mehr haben." – "Deine is' ja jetzt schon weg."

Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht hier – sag mir wooo und wann. Einer Gruppe junger Männer ist ihre Stimme egal. Schwarz-rot-gold, wir stehen auf eurer Seite. Immer wieder. Dann: Oleeee, oleee, ole, ole, oleeee, Superdeutschland, Superdeutschland, Superdeutschland, oleeeeeoooleee.

"Hey, wo hast du denn die Kippe her?" – "Hab ich gedreht." – "Drehst mir auch eine?" – "Dreh selber." – "Kann nich' drehen." – "Pech, jetzt geht’s los. Ich dreh nich' mehr."

Zehntausende singen die deutsche Hymne. Links vor der Hauptbühne singen zwei Männer danach weiter: Deutschland, Deuheutschland, üüüüüber aaaahalles, übeeer aaaahhaallehes in deeer Welt. Deeeeuuutschland, Deeeeheutschland... Einer hat sein Bier verschüttet. "Boah, ich sing das so gerne!" – "Ja Mann. Deutschland!" Die Argentinier singen ihre Hymne. "Pfui! Pfui! Pfui! Weg mit der Fratze!"

"Schweinsteiger macht's." – "Is' doch auch kacke, wenn schon so früh ein Tor fällt." – "Hä? Spinnst du?" Die Gesänge verstummen. Dann: Neuer, du geile Schlange. Keiner ist so gut und so lange!

Ein Junge, vielleicht vier oder fünf Jahre alt, sitzt auf den Schultern eines jungen Mannes. Vielleicht der Papa, vielleicht der Freund der Mutter, vielleicht der Onkel. "Deutschland, Deutschland, schieß ein Toor", sagt der Kleine. Er beobachtet eine Gruppe Männer neben ihm. "Ey, der Kleine is' der Hammer!" – "Hey Kleiner, nimm mal meine Fahne!" – "Geil, wie der die Fahne schwenkt, der is' der Coolste von allen. Prost Kleiner!" – "Mama, ich hab Durst! Mama, Tor!" – "Aaaaahhh, das sind die Falschen! Nicht jubeln." – "Abseits!" – "Yeeeeaaaaaahhhhhhhh, Kleiner, ich schenk dir meine Fahne. Behalt sie! Du bist der Coolste, der Allercoolste." – "Der Kleine hat den Durchblick!"

"Hi, ich bin die Lena und das ist die Lisa." – "Hi" – "So geil hier, ne?" – "Lena, schau mal ist der süüüüßßßßßß! Der Kleine da oben!" – "Tschuldigung, wie alt is der Kleine denn?" – "Fünf." – "Oh. So süß! Kleine Kinder sind immer so süß! Na, du?"