Die Schauspielerin Emma Watson bei den Vereinten Nationen am 20. September 2014 © Eduardo Munoz Alvarez/Getty

Die Woche hat gerade erst angefangen, doch für die Schauspielerin Emma Watson, bekannt aus Harry Potter, ist sie schon jetzt zwiespältig. Am Sonntag hat sie am Hauptsitz der Vereinten Nationen eine Rede über Gleichberechtigung gehalten, zum Auftakt der feministischen Kampagne "He For She". Unter anderem war der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon anwesend. Weil Watson so aufgeregt war, dass ihre Stimme zitterte, und sie sich trotzdem tapfer ein Herz fasste, machte sich im Netz Rührung breit. Schwäche zeigen im Dienste der Rechte von Frauen und Männern, schien genau die richtige Haltung für eine 24-jährige UN-Botschafterin des Feminismus zu sein.

Am Montag sah sie sich dann allerdings mit der zurzeit häufigsten chauvinistischen Drohgebärde im Internet konfrontiert. Anonyme Nutzer behaupten, intime Fotos von Watson zu besitzen, die sie in den nächsten Tagen veröffentlichen wollen. In den letzten Wochen sind solche Bilder von mehreren weiblichen Filmstars aufgetaucht, die man aus deren Cloud-Accounts gestohlen hat.

Dass das eine Ereignis so unmittelbar auf das andere folgt, lässt an jene miesen Dynamiken denken, die man sonst von Pausenhöfen kennt: Jemand, der Schwäche zeigt, wird sofort zum Opfer grober Machtgesten. Noch kann man nicht sagen, ob es wirklich Bilder von Watson gibt, und ob ein Zusammenhang mit ihrer Rede besteht.

Aber selbst wenn nicht, könnte man den Vorfall als ein Symptom dessen betrachten, was Emma Watson da beschrieben hat.

Männer seien, meinte sie, genau wie Frauen in ihren stereotypen Rollenbildern gefangen, ihren Vorstellungen von erfolgreicher Männlichkeit. Wenn sie sich daraus befreiten, könne sich endlich auch für Frauen alles ändern: "Wenn Männer nicht aggressiv sein müssten, um anerkannt zu werden, würden sich Frauen nicht gezwungen sehen, unterwürfig zu sein. Wenn Männer nicht die Kontrolle behalten müssen, müssen Frauen sich nicht kontrollieren lassen."

Sich private Daten und Bilder einer Person anzueignen, ist eine gewaltige Aggression gegen deren Privatsphäre. Es suggeriert Kontrolle über eine persönliche Sphäre, die unbedingt als für die Öffentlichkeit unverfügbar anerkannt werden muss. Selbst wenn es sich um eine leere Drohung handeln sollte, bliebe also der Versuch aus dem anonymen Untergrund bestehen, ein Machtgefälle wiederherzustellen, für dessen Abschaffung sich Emma Watson gerade bei einer der höchsten Institutionen eingesetzt hat.

Und sollte man gerade noch das jugendliche Pathos belächelt haben, mit dem sie in ihrer Rede Dinge verkündet, die man eigentlich für selbstverständlich halten sollte, dann hat einen die kriminelle Drohung gegen Emma Watson eines Besseren belehrt. Gerade Männer, die solche grenzüberschreitenden Bilder nicht sehen wollen, mit denen noch immer hauptsächlich Frauen bloßgestellt werden, schließen sich sicher liebend gerne Watsons bestrickendem Aufruf an: "Männer! Ich lade euch förmlich ein. Die Gleichstellung der Geschlechter ist auch euer Problem."

Update vom 25. September: Wie bereits im Artikel angedeutet, handelte es sich tatsächlich um eine leere Drohung, Nacktbilder von Emma Watson zu veröffentlichen. Mehr dazu lesen Sie hier.