Die jüngsten Nachrichten, die aus dem Gruner+Jahr-Kosmos an die Welt drangen, waren Nachrichten, die vom Sparen handelten: Gruner+Jahr spart an der Henri-Nannen-Schule. Gruner+Jahr setzt den Nannen-Preis aus. Gruner+Jahr baut 400 Stellen ab.

Nun wurde bekannt, dass der Verlag komplett an den größten deutschen Medienkonzern, Bertelsmann, verkauft wird. Bertelsmann hielt bereits 74,9 Prozent an Gruner+Jahr, zum 1. November wird der Konzern von der Familie des Verlagsmitgründers John Jahr auch die restlichen 25,1 Prozent übernehmen.

Die Meldung ist einerseits nicht mehr als eine Vollzugsmeldung: Dass Bertelsmann Gruner+Jahr ganz übernehmen will, ist seit Jahren bekannt. 2012 gab es den Plan schon einmal, damals scheiterte er. Man kann also ganz nüchtern bleiben und sagen: Es war nur eine Frage der Zeit, dass es so kommt. Auch für Betriebswirte ohne emotionale Bindung an die Medienbranche ist die Nachricht so groß nicht: Ein Konzern übernimmt ein Unternehmen, an dem er schon mehrheitlich beteiligt ist, komplett. Womöglich, um es weiterzuverkaufen. Im Grunde ist das Wirtschaftsalltag.

Andererseits ist Gruner+Jahr nicht irgendeine Fabrik. Es ist ein traditionsreicher Verlag, einer der wichtigsten in Deutschland – zumindest war er das während der Blüte der analogen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagslandschaft. Nun bleibt davon der Name.

Was bedeutet das für die journalistische Ausrichtung? Die Medienbranche ist ohnehin im Umbruch. Der Verlag Gruner+Jahr hat bereits selbst Erneuerungsmaßnahmen eingeleitet: Die Entwicklung vom Zeitschriftenverlag zum sogenannten Haus der digitalen Inhalte hat längst begonnen. Auch ein Konsolidierungskurs – deutsch: Sparkurs – wurde aufgelegt; dazu gehört der angekündigte Abbau von 400 Stellen. Dass der Verkauf an Bertelsmann direkte spürbare Auswirkungen haben wird, ist nicht gesagt.

Allerdings lassen sich die bereits andauernden Veränderungen und der jetzige Verkauf der Anteile an Bertelsmann nicht scharf voneinander trennen: Als die Münchner Zeitschriften des Verlags vor einigen Monaten nach Hamburg umziehen mussten, war in den Redaktionen die Rede davon, dass der Verlag sich fit mache für den Verkauf.