In der Welt erschien dieser Tage eine Glosse über die finanzielle Hilfsbedürftigkeit der deutschen Rap-Gemeinde und speziell über die des Rappers Fler. Fler, der in seinen Videos gern mit seinem hedonistischen und materialistischen Lifestyle prahlt, hatte im Vorfeld nämlich sein polizeiliches Führungszeugnis veröffentlicht, aus dem hervorging, dass es mit dem finanziellen Reichtum wohl doch nicht so weit her ist. Der Journalist Frédéric Schwilden, der auch für ZEIT ONLINE schreibt, errechnete, dass sich die Vermögensverhältnisse im Hause Fler wohl knapp über Hartz-IV-Niveau bewegen müssen.

Der Artikel trifft offenbar nicht jedermanns Humor. Es lässt sich aus ihm auch eine gewisse Überheblichkeit herauslesen gegenüber einer Unterschicht, die sich einen Besuch im Grill Royal in Berlin Mitte nicht leisten kann und einmal wöchentlich einen Fußmarsch von 20 Kilometern in die City unternimmt, um sich dort an den Scheiben der Luxusgeschäfte die Nasen platt zu drücken.

Der Rapper Fler wiederum, manisch davon besessen, auf alles einzugehen, was im Internet über ihn veröffentlicht wird, reagierte mit seiner Lieblingstaktik: Er bedrohte den Journalisten persönlich. So ließ er durchblicken, dass er genau wisse, wo Schwilden wohnt und veröffentlichte einen Twitter-Post mit einem Foto von dessen Haustür und der Ankündigung, wiederzukommen, wenn der Artikel nicht von der Website genommen würde. Eine Drohung, die entfernt an einen ehemaligen Bundespräsidenten erinnert, der einem immer noch amtierenden Chefredakteur einer großen Boulevardzeitung mit Maßnahmen drohte, weil er das Gefühl hatte, dass der Rubikon nun endgültig überschritten sei.

Lachte man damals über Wulff und seinen vergeblichen Versuch, Kai Diekmann einzuschüchtern, so wird Flers Gehabe als ernsthafte Drohung empfunden. Es entwickelt unter anderem deshalb eine so starke Wirkung, weil eine der Trennlinien zwischen Oben und Unten in dieser Gesellschaft beim Thema körperliche Gewalt verläuft. Während die eine Hälfte der Kinder schon im Kindergarten gesagt bekommt, dass man sich nicht haut und alles mit Worten klären soll, bekommt die andere Hälfte gesagt, dass sie sich nichts gefallen lassen sollen. Und wenn ihnen jemand blöd kommt, dann gibt's halt auf die Schnauze. Die eine Hälfte der Gesellschaft regelt ihre Streitigkeiten per Anwalt, die andere mit der blanken Faust. Begegnen sich die beiden Gruppen, dann entstehen Irritationen, die in den meisten Fällen zugunsten der Anwälte ausgehen. Das ist auch durchaus richtig so, weil es nicht sein kann, dass nur der gewinnt, der die größeren Muskeln hat. Derjenige mit der größeren Macht gewinnt aber allemal.