Schlussstrichdebatte Nationalsozialismus, das war gestern. Beträchtlicher Unterhaltungswert. Alte Männer an vorderster Front. Faszinierende Logik der Argumentation: Ja, wir waren ein Tätervolk. Aber jetzt finden wir es gemein, dass uns immer alle Täter nennen. Rabäääh, wir sind die eigentlichen Opfer, und Täter soll von nun an heißen, wer uns an unsere Täterrolle erinnert. Hoher Entlastungsdruck brach sich Bahn. Und dann Ende gut, alles gut: Weltmeistertitel, Meer aus Deutschlandfahnen, jubeljubel!

Heute tobt die Schlussstrichdebatte Feminismus. Ende: nicht abzusehen. Alternde Männer an vorderster Front. Hoher Unterhaltungswert, aber auch anschwellender Ekelfaktor. Die Argumentation wieder faszinierend: Feminismus gibt es inzwischen doch schon so lange, das nervt, Frauen nerven ja immer, und die Frauen wollen offenbar tatsächlich, dass wir Männer unser Verhalten ändern, weshalb jetzt wir die eigentlichen Opfer sind.

In jüngster Zeit vor allem Opfer von Professx Lann Hornscheidt, die keine Frau mehr, sondern nur noch X sein möchte. Die einen Weg öffnen möchte, aus dem Geschlechterrollenspiel auszusteigen, auch in der Anrede, um zu sehen, ob die damit verbundenen Machtgefüge dadurch sichtbarer werden. Daher: Professx statt Professorin. Lann Hornscheidt lehrt Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin.

Spiele? Neue Regeln? Gender Studies? Da hört der Spaß auf! Ein Sturm brach los, der antifeministische Untergrund ging auf die Barrikaden.

Wie können diese Mädchen es wagen?

Denn ganz Deutschland ist von lesbischen linken Spaßbremsen aus dem Multikulti-Lager besetzt – von Gender-Studies-Zicken, die sich nicht einmal mehr schön machen, wenn sie Fotos von sich ins Internet stellen. Sie wollen bestimmen, wie wir sie anreden, unseren Kindern die Geschlechteridentität wegnehmen und uns Männern verbieten, im Stehen zu pinkeln. Ein kleines weißes heterosexuelles männliches Journalistendorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Das wollen wir uns genauer ansehen.

Ulf und Harald, Jan und Matthias wollen wir die Dorfhelden nennen, weil sie das auch gerne so halten: Wenn irgendwo Frauen aufmucken, werden diese in ihren Glossen oder auf ihren Facebook-Seiten öffentlich zur Minna gemacht, mit Vornamen angekumpelt und hochschnöslig abgemeiert. Nach dem Motto: Wie können diese Mädchen es wagen? Haben sie denn in der Schule nichts gelernt? Ja, die Herren treten gerne nach unten. Und zwar von ganz oben.

Ulf Poschardt, leitender Redakteur beim Verlag Axel Springer. Harald Martenstein, ZEITmagazin-Kolumnist und wahrscheinlich Auflagenmillionär. Jan Fleischhauer, schwarzer Kanalarbeiter bei Spiegel Online. Und uneinholbar weit aufgestiegen: Matthias Matussek, Gott und Guru seines eigenen Gaga-Universums aus Homophobie und Vollrausch-Katholizismus. Gemeinsames Karriereziel: Sich in einer Medienruhmblase im Alter endlich wieder die kleinkindlichen Allmachtsgefühle von früher gönnen, im Schaumbad gesellschaftlich sanktionierter Verantwortungslosigkeit.

Zur Ästhetik des Widerstands gehört die Perfidie der Sprache, die joviale humorige Süffisanz, mit deren Hilfe den Lesern das Verführungsangebot unterbreitet wird, sich gehen zu lassen und zu den eigenen Ressentiments zu stehen. Haralds Spezialität ist es zum Beispiel, die Regeln des sogenannten Gutmenschentums immer wieder ganz locker zu hinterfragen, wobei dann jedes Mal herauskommt, dass es viel mehr Spaß macht, einfach mal ein Schwein zu sein. Wir können uns doch von den Negern das "Neger"-Sagen nicht verbieten lassen! Das ist doch ein freies Land! Minderheitenphobiker sind diese vier, vom eigenen späten Übermut besoffen. Unangreifbar, weil sie ja die eigentlichen Verfolgten sind, weil immer noch irgendwo an einer Ecke ein Mädchen aufmuckt, eine Transe, eine Lesbenzicke. Da muss man dann einfach mit dem Porsche drüber.