Der umstrittene französische Komiker Dieudonné M’bala M’bala ist unter dem Vorwurf der Verherrlichung des Terrorismus festgenommen worden. Das verlautete aus französischen Justizkreisen. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte bereits am Montag Ermittlungen gegen den Komiker eingeleitet.

Der 48-Jährige, der unter dem Namen Dieudonné bekannt ist, hatte in einem Facebook-Eintrag den Solidaritätsspruch "Ich bin Charlie" abgewandelt und ihm den Nachnamen des islamistischen Attentäters hinzugefügt, der in einem jüdischen Supermarkt vier Menschen getötet hatte. Konkret schrieb er: "Heute Abend fühle ich mich wie Charlie Coulibaly." Kritiker werten den Kommentar als geschmacklose Unterstützung für den Islamisten Amédy Coulibaly.  

Zugleich machte sich der Künstler über die Massenkundgebungen in Frankreich lustig, bei denen etwa vier Millionen Franzosen am Sonntag ihre Solidarität mit den 17 Opfern der Anschläge bekundet hatten. Unter den Toten sind acht Mitarbeiter von Charlie Hebdo.

Mitarbeiter des Komikers veröffentlichten auf seiner Facebook-Seite Fotos von Polizisten, die Dieudonné von seiner Wohnung abholten. Sein Anwalt bezeichnete die vorläufige Festnahme seines Mandaten, die am Montag stattfand, als skandalös. "Wir befinden uns in einem Land mit Meinungsfreiheit? Heute Morgen hat die Regierung das demonstriert", spottete David de Stefano.  

Bislang nur niedrige Geldstrafen

Dieudonné war in der Vergangenheit bereits wegen antisemitischer Äußerungen verurteilt worden. Gegen den Komiker wurden zudem in Frankreich wegen judenfeindlicher Äußerungen in seinem Bühnenprogramm mehrere Auftrittsverbote verhängt. Von ihm stammt auch der "Quenelle"-Gruß, der an den Hitler-Gruß erinnert. Der französische Fußballspieler Nicolas Anelka nutzte den Gruß in einem Spiel der Premier League in England und wurde dafür vom englischen Fußballverband für fünf Partien ausgeschlossen.

Bereits im September war gegen Dieudonné ein Ermittlungsverfahren wegen Verherrlichung des Terrorismus eingeleitet worden. Damals hatte er sich über das Enthaupten des US-Journalisten James Foley durch Mitglieder der Dschihadisten-Gruppe "Islamischer Staat" (IS) lustig gemacht.

Die Verherrlichung von Terrorismus kann in Frankreich mit bis zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe von 100.000 Euro bestraft werden. Nicht eindeutige Kommentare – wie die von Dieudonné – wurden in der Vergangenheit allerdings allenfalls mit vergleichsweise niedrigen Geldstrafen geahndet.  

54 Festnahmen seit dem Attentat

Seit den Attentaten der vergangenen Woche in Paris wenden die französischen Behörden bestehende Anti-Terror-Gesetze schärfer an als zuvor. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden seitdem 54 Menschen  wegen Rechtfertigung oder Verherrlichung von Terrorismus festgenommen. Regierungssprecher Stéphane Le Foll sagte, einige der Festgenommenen seien bereits verurteilt worden. Außerdem wurden 25 Verfahren wegen islamfeindlicher Übergriffe eingeleitet, nachdem Moscheen oder andere muslimische Einrichtungen durch "Waffen, Brandanschläge oder Explosionen" beschädigt wurden.

Eine Woche nach dem Anschlag auf die Redaktion erschien am Morgen die erste Ausgabe des Satire-Magazins Charlie Hebdo. Die Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren war nach kurzer Zeit ausverkauft.