Das Unwort des Jahres 2014 ist Lügenpresse. Das teilte die Jury unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich in Darmstadt mit. "Mit dem Ausdruck Lügenpresse werden Medien pauschal diffamiert", sagte Janisch. "Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit."

Der Begriff sei bereits im Ersten Weltkrieg ein "zentraler Kampfbegriff" gewesen "und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien", begründete die Jury ihre Entscheidung. Gerade die Tatsache, "dass diese sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als 'besorgte Bürger' skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte", mache ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzten.

Die Anhänger des islamkritischen Pegida-Bündnisses benutzen den Begriff Lügenpresse seit Wochen, um ihrer Ansicht Nachdruck zu verleihen, dass Regierungen oder Systeme darüber bestimmen, was veröffentlicht werden darf. Aus Sicht der Protestierenden herrscht in Deutschland keine wirkliche Meinungsvielfalt oder Meinungsfreiheit.

Die Jury rügte außerdem die Begriffe erweiterte Verhörmethoden und Russlandversteher. Die erweiterten Verhörmethoden, etwa aktuell im CIA-Folterbericht gebraucht, sei "ein Euphemismus, der unmenschliches Handeln, nämlich Folter, legitimieren soll". Russlandversteher werde zum Unwort, weil der Begriff diffamierend verwendet werde.

Mit dem Unwort des Jahres sollen nach Angaben der Jury Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung gefördert werden. Seit 1991 wird das Unwort gekürt. Unwörter waren zuletzt Sozialtourismus (2013) – ein Begriff, der gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer gemacht. In den Jahren zuvor gewählt wurden die Wörter Opfer-Abo (2012),  Döner-Morde (2011), alternativlos (2010), betriebsratsverseucht (2009), notleidende Banken (2008), Herdprämie (2007), Freiwillige Ausreise (2006), Entlassungsproduktivität (2005), Humankapital (2004), Tätervolk (2003) und Ich-AG (2002).

Neben der unabhängigen, sprachkritischen Jury mit ihrer Sprecherin in Darmstadt wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das Wort des Jahres. Für 2014 wurde im Dezember die Bezeichnung Lichtgrenze bekanntgegeben. Der Name stand für ein Kunstwerk in Berlin anlässlich des Festakts im vergangenen November zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Knapp 7.000 weiße Ballons stiegen in den Himmel. Sie hatten den Verlauf der deutschen Teilung als Lichtgrenze nachgezeichnet.