Eine Spielszene des Theaterstücks "Baal" unter der Regie von Frank Castorf am Münchner Residenztheater: Im Hintergrund Aurel Manthei (Baal), vorne links Katharina Pichler (die ältere Schwester) und Bibiana Beglau (Isabelle, die Höllengemahlin) © Thomas Aurin

DieBaal-Inszenierung von Regisseur Frank Castorf am Münchner Residenztheater darf nur noch zweimal gezeigt werden. Darauf haben sich der Suhrkamp Verlag und das Residenztheater vor dem Münchner Landgericht geeinigt. Der Vergleich wurde nach sechseinhalb Stunden Verhandlung am späten Abend erzielt. Zuvor hatte der Verlag ein erstes Vergleichsangebot abgelehnt.

Die Aufführungen am 28. Februar in München und im Mai bei einem Theatertreffen in Berlin finden noch statt. Alle weiteren geplanten Aufführungen müssen entfallen. Das Residenztheater verpflichtete sich, eine entsprechende Unterlassungserklärung zu unterzeichnen.

Als Vertreter von Brechts Erben hatte Suhrkamp beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Inszenierung am Residenztheater beantragt. Bei der Interpretation des Berliner Volksbühnen-Intendanten Castorf handele es sich um eine "nicht autorisierte Bearbeitung des Stücks". Der Regisseur hat Baal in seiner Inszenierung zahlreiche Fremdtexte hinzugefügt, etwa Heiner Müllers Auftrag und Texte von Frantz Fanon.

Das Residenztheater hatte in der Verhandlung zunächst vorgeschlagen, das Theaterstück nur noch zu den bereits geplanten Terminen aufzuführen. Das hätte Vorstellungen im Februar und März sowie beim Theatertreffen beinhaltet. Außerdem wollte das Theater den Titel des Stücks ändern und vor jeder Aufführung auf die Problematik hinweisen, dass Brechts Textvorlage stark geändert ist.

Der Richter hatte mehrfach versucht, Anwalt und Justiziarin des Suhrkamp Verlages von der Möglichkeit dieser ersten Einigung zu überzeugen und die bereits geplanten weiteren Aufführungen stattfinden zu lassen. Die Verlagsseite hatte den ersten Vergleich jedoch strikt abgelehnt.