Die BBC gehört so sehr zu Großbritannien wie rote Busse und die Familie Windsor. Über neunzig Jahre gibt es sie schon. Seither gilt sie als Inbegriff des unabhängigen Journalismus. "Das eloquenteste Sprachrohr liberaler und demokratischer Grundwerte", wie der Oxforder Medienwissenschaftler John Lloyd es formulierte.

Auch John Whittingdale findet, dass die Briten auf ihre BBC stolz sein müssen. Dessen ungeachtet, der neue Kulturminister aber in seinem Ressort Einsparungen von rund 15 Prozent durchsetzen und einen Teil davon soll die BBC tragen. Bis 2021 soll der Jahresetat der Anstalt um rund eine Milliarde Pfund gekürzt werden. Ihren staatlichen Auftrag werde sie auch dann noch erfüllen können, versichert John Whittingdale. Seine Kritiker sehen das Ende der BBC voraus.

Die BBC finanziert sich in erster Linie durch die Einnahme von Rundfunkgebühren. Im letzten Jahr waren es 3,7 Milliarden Pfund, was 75 Prozent des Gesamtetats entsprach. Allerdings zahlt die Gebühren nur, wer einen Fernseher hat, oder per Livestream auf dem PC fernsieht. Wer sich aufs Radio beschränkt, oder seinen TV-Durst in den Mediatheken der einzelnen Sender löscht, zahlt dafür nichts. Es ist ein Modell, das zum Problem geworden ist. Die Gebühreneinnahmen sinken kontinuierlich. 

In einer Email an die 20.000 BBC-Mitarbeiter erklärte Generaldirektor Tony Hall letzte Woche, dass die veränderten Sehgewohnheiten durch den technologischen Wandel im nächsten Jahr zu einem Finanzloch von 150 Millionen Pfund führen würden. 1000 Stellen sollen deswegen gestrichen werden – mindestens. Denn die zusätzlichen Sparauflagen, die John Whittingdale am Montag verkündete, werden nach Meinung des Kulturministers im Schattenkabinett der Labour-Opposition, Chris Bryant, "zu einer Finanzierungskrise führen, die die BBC womöglich an der Erfüllung ihres staatlichen Auftrages hindern könnte."

Britische Rentner zahlen keine Rundfunkgebühren. Das ist ein Geschenk der Regierung. Die Kosten, rund 600 Millionen Pfund jährlich, bekam die BBC bisher vom Finanzministerium erstattet. In Zukunft jedoch soll sie diesen Posten selber tragen. Im Gegenzug will die Regierung prüfen, ob die BBC für die Nutzung ihrer On Demand Plattform iPlayer Gebühren erheben darf. Doch auch dann rechnet Tony Hall damit, dass "der Sendebetrieb früher oder später eingeschränkt werden muss."

Ein wahrer Koloss

Hier ist also eine Debatte entbrannt, bei der es nicht nur darum geht, eine klobige Rundfunkanstalt zu verschlanken und ihren komplizierten Verwaltungsapparat effizienter zu machen. "Es ist an der Zeit, das zukünftige Format der BBC zu diskutieren", meint der Vorsitzende des Kultur- und Medienausschusses im Parlament, Jesse Norman.

Keine Institution dominiert die britische Medienlandschaft so sehr wie die BBC. Vier nationale Fernsehkanäle, sechs Radiosender, dazu TV und Rundfunk für alle Regionen, mehrere Nachrichtensender, ein vielfältiger Internetauftritt sowie aufwendig produzierte Unterhaltungsshows und Fernsehfilme. "Im Vergleich zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten in anderen Ländern, ist die BBC ein wahrer Koloss", sagt John Lloyd. Vor allem in dem Bereich der neuen Technologien wie dem Internetfernsehen und den Plattformen für Smartphones sei die BBC "absolute Weltspitze".