Die Unesco hat die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel zum Weltkulturerbe ernannt. Die Welterbe-Kommission beschloss die Aufnahme bei ihrer Sitzung in Bonn. Die Stätte symbolisiere auf einzigartige Weise die Folgen des rasanten internationalen Handelswachstums im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, hieß es zur Begründung. Es ist das erste Weltkulturerbe für Hamburg und die 40. Stätte in Deutschland.

"Wir fühlen uns so gerührt und so erfreut", sagte die Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler. Sie bedankte sich bei den anderen Ländern für die Unterstützung.

Die Hamburger Speicherstadt gilt als das größte zusammenhängende und einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt. Es wurde von 1885 bis 1927 unter der Leitung von Franz Andreas Meyer in drei Bauabschnitten als größtes und modernstes Logistikzentrum seiner Zeit errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Speicherstadt zwar stark beschädigt, aber in der Nachkriegszeit von Werner Kallmorgen weitgehend nach historischem Vorbild wiederaufgebaut und mit 1950er-Jahre-Bauten von hoher Qualität ergänzt.  

Die Speicherstadt besteht aus 15 mehrgeschossigen Lagerhäusern und einer Reihe von Einzelbauten, die bis auf wenige Ausnahmen in Backsteinbauweise in neogotischem Stil errichtet wurden. Als zentraler Umschlagsort im Hamburger Hafen ist die Speicherstadt eingebettet in ein System aus Kanälen, Brücken, Bahnverbindungen und Pflasterstraßen. Wo früher Importgüter wie Kaffee, Kakao und Tee gelagert wurden, haben sich heute Mode- und Werbefirmen angesiedelt.  

Das Hamburger Kontorhausviertel nördlich der Speicherstadt entstand in den 1920er und 1930er Jahren und besteht aus teilweise blockfüllenden Gebäuden mit Klinkerfassaden. Dominiert wird es von dem von Fritz Höger zwischen 1922 und 1924 geschaffenen Chilehaus. Mit seiner an einen Schiffsbug erinnernden Spitze und der charakteristischen Detaillierung der Fassade gilt es als eine Ikone des Expressionismus in der Architektur.

Naumburger Dom bekommt zweite Chance

Der Naumburger Dom dagegen wird zunächst nicht in die Welterbeliste aufgenommen, bekommt aber eine zweite Chance. Das entschied das Welterbekomitee. Zunächst war der Antrag der Stadt abgelehnt worden. Nun darf sie ihren Antrag überarbeiten und dann wieder einreichen.

Der Naumburger Dom zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten des Hochmittelalters. Berühmt ist die Kirche wegen ihrer zwölf überlebensgroßen Stifterfiguren.