Ätschibätsch. Fast so klingt Til Schweigers jüngst verkündete Idee, ein "Vorzeige-Flüchtlingsheim" zu bauen, mit Freizeitangebot und Traumatherapie. Damit wollte er all jene Facebook-Kommentatoren ruhigstellen, die ihn "so richtig ankotzen". Nämlich all jene, die seinen Spendenaufruf für Flüchtlinge aus fremdenfeindlichen Gründen ablehnten oder ihn als Heuchelei bezeichneten. Der Schauspieler und Filmproduzent wollte mit seiner Aktion zeigen: Er redet nicht nur, sondern er tut auch etwas. Das ist die eine Sache. 

Eine andere Sache sind die Umstände, unter denen das Projekt entstand. Bereits 2014 kaufte Schweigers Freund Wolfgang Koch, beziehungsweise dessen Firma Princess of Finkenwerder, die Rommel-Kaserne in Osterode. Ein gewisser Jan Karras sollte sich mit seiner Firma Greenzone Consulting um die Sicherheit kümmern. Zum einen ist Karras bereits für Schweigers persönliche Sicherheit verantwortlich, zum anderen für private Sicherheitseinsätze in Konfliktländern wie Afghanistan – Gebiete also, aus denen Flüchtlinge in das neue Vorzeigeheim einziehen könnten. Nach allerlei Kritik ist Jan Karras mittlerweile aus dem Projekt ausgeschieden. Vielleicht war er ein Sicherheitsrisiko für Schweigers saubere Idee.

Doch selbst Deutschlands Vorzeigefilmstar hat eigene Beziehungen zum ehemaligen Kriegsgebiet. 2012 flog er nach Afghanistan, um den deutschen Truppen seinen neuen Film Schutzengel über einen Afghanistan-Heimkehrer vorzuführen und um "seine Verbundenheit mit den in Afghanistan eingesetzten Soldatinnen und Soldaten" zu zeigen. Die Reaktionen der Soldaten auf den Film wurden später zu einem rührigen Trailer geschnitten, der den gescheiterten Bundeswehreinsatz in Afghanistan, der politisch höchst brisant war, in eine seichte Komödie verwandelte.

Fertig ist die Allianz

Interessant, wie man offenbar deutsche Militäreinsätze unterstützen und sich gleichsam für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten einsetzen kann. Der SPD-Chef Sigmar Gabriel hält es ähnlich: Der Umfang deutscher Waffenexporte in Krisengebiete, aus denen auch wieder Flüchtlinge nach Deutschland kommen werden, scheint sich unter seiner Führung in diesem Jahr zu verdoppeln. Was für Sigmar okay ist, soll auch Til nicht stören. Man trifft sich, klagt sich gegenseitig seinen Frust, schießt ein ernstes Foto – fertig ist die Allianz.

Ist jegliche Kritik daran gleich "dumm" und "arm", wie Schweiger sie nennt? Oder darf sie auch hinterfragen, wie ernst dieses Engagement zu nehmen ist? Schon im März kritisierte der Abgeordnete der Linken im Kreistag Osterode, Frank Kosching, die Pläne für das Flüchtlingsheim, da die Princess of Finkenwerder "ein privatwirtschaftliches Unternehmen" sei, das Gewinne erwirtschaften wolle. "Daraus erwüchse notwendigerweise ein Interessenkonflikt beim Betrieb des Lagers", sagte Kosching. Ganz falsch dürfte er damit nicht liegen. Denn das Land Niedersachsen würde für den Unterhalt der Flüchtlinge aufkommen und Miete an Princess of Finkenwerder zahlen, bestätigt ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums am Telefon. Schweigers Kumpel könnte also nach dem Umbau der Kaserne mit regelmäßigen Zahlungen vom Land Niedersachsen rechnen.