Man könnte sich nun den etwas einfachen und billigen Spaß machen und sich über den beschränkten historischen Horizont dieser deutschen Angsthasen belustigen. Die Pointe ist aber eine andere: Wenn in Deutschland die Nachfahren von Zuwanderern gegen Zuwanderung hetzen, dann sind sie vor allen Dingen offenbar wahnsinnig gut integriert.

Unbemerkt von den verängstigten Patrioten, hat Deutschland seit 1945 immer wieder große Gruppen an Einwanderern aufgenommen und integriert: Erst die vertriebenen Deutschen, denen mit viel Geld auf die Beine geholfen wurde, dann die Gastarbeiter, dann Spätaussiedler, Kontingentflüchtlinge und die 1992 nach Deutschland eingewanderten Flüchtlinge aus dem früheren Jugoslawien. Von den im Westen ansässig geworden Ostdeutschen ganz zu schweigen.

Und während die Geschichten von den kriminellen Ausländern immer schnell die Runde machen, fallen die vielen Hunderttausend Erfolgsgeschichten der Migration in Deutschland oft unter den Tisch. Selbst dann, wenn sie in aller Öffentlichkeit stattfinden.

Krasnojarsk, Tuzla, Višegrad

Beispiele? Gerne: Andrea Petković wurde 1987 im bosnischen Tuzla geboren und kam im Jahr ihrer Geburt nach Deutschland. Heute ist sie auf Platz 17 der Tennis-Weltrangliste und die einzig legitime Nachfolgerin Steffi Grafs. Oder die Russlanddeutsche Helene Fischer: Sie wurde 1984 als Jelena Petrowna Fischer im sibirischen Krasnojarsk geboren und kam 1988 mit ihrer Familie nach Rheinland-Pfalz. Oder Saša Stanišić: Wurde 1978 im bosnischen Višegrad geboren und kam mit seinen Eltern 1992, im Jahr des Ansturms der Armen, wie der Spiegel seinerzeit titelte, nach Deutschland. Mittlerweile ist Stanišić einer der renommiertesten Schriftsteller Deutschlands, war für den deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

In Köln weiß man: "Jede Jeck is anders" und "Et hätt noch emmer joot jejange". Ein altes deutsches Sprichwort sagt: "Was juckt es die Eiche, welche Sau sich an ihr reibt." So ähnlich, vielleicht etwas freundlicher in der Wortwahl, könnte man auch eine souveräne, deutsche Haltung in Sachen Zuwanderung beschreiben: gelassen, selbstbewusst und souverän. Im Wissen, dass unter diesen Flüchtlingen, die heute kommen, die Buchpreisträger und Spitzensportler von morgen sind, die Innenminister von übermorgen. Und, wer weiß, vielleicht auch die irregeleiteten Nationalisten von überübermorgen.

Bei Claudemir Barreto funktionierte das Deutschwerden übrigens so gut, dass seine Mannschaftskameraden ihn zu seinen aktiven Zeiten nicht mehr Cacau nannten. Sondern Helmut, wie Sami Khedira einmal erzählte.

Wie zivilgesellschaftliche Initiativen, beispielsweise die Prinzessinnengärten in Berlin, daran arbeiten, Integration zu vereinfachen, sehen Sie in diesem Video:

Flüchtlingshilfe - Raus aus dem Heim