Diesen Sommer sprach ich in Frankfurt auf einer Leuchtturmveranstaltung der Initiative Leader.In, die von der Unternehmensberatung Deloitte ins Leben gerufen wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen sichtbarer zu machen und ihre Karriere zu fördern. Die unvermeidbare Podiumsdiskussion, die ewig gleichen Statements wurden abgegeben – auch von mir: Frauen brauchen stärkeres Selbstbewusstsein, bessere Selbstvermarktung, größere Sichtbarkeit. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam eine Aktion der Edition F, unterstützt von Handelsblatt und Huffington Post: Ausgewählt wurden die 25 Frauen, die im Jahr 2025 als Dax-CEO gesehen werden. Die hochkarätige Jury wurde ergänzt um ein freies Onlinevoting. Ich war gewählt, stand bei der großen Party im alten Kinosaal Haus Ungarn in Berlin auf der Bühne. Eine wirksame Aktion, um die häufig vertretene These zu widerlegen, es gäbe schlicht nicht genug qualifizierte Frauen auf hohem Managementniveau, die ein Dax-Unternehmen operativ führen könnten.

Claudia Michalski ist seit 1992 in verschiedenen Führungspositionen in der Medienbranche tätig, davon neun Jahre als Geschäftsführerin des Beuth Verlags in Berlin und drei Jahre als Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Handelsblatt in Düsseldorf. Im Januar 2016 wird sie geschäftsführende Gesellschafterin der OMC Ortleb Management GmbH in Berlin, einer Managementberatung für Führungskräfte in Veränderungssituationen. Sie ist Gastautorin von "10 nach 8". © privat

Die Einladungen zu Konferenzen häufen sich, jede Woche ein neues Event, auch die etablierten Personalberater schmücken sich jetzt mit wohlklingenden Initiativen: Female Desk, Women Leadership, Female Readiness, Female Shift – weil sich die Unternehmen ja alle so viel mehr weibliche Führungskräfte wünschen.

Ernsthaft? Nicht wirklich.

Ein Blick in die Fakten zeigt, dass der Trend zwar kommunikativ ausgerollt, aber nicht faktisch gelebt wird: Bereits seit 1999 überholen Frauen in der Bildung die Männer. 60 Prozent aller Abiturienten sind weiblich, über 50 Prozent aller Hochschulabsolventen sind junge Frauen. Dieses Bildungsgewicht bildet sich allerdings so in der Erwerbswelt nicht ab. Nur 3 Prozent (in Worten: drei) aller Dax-Unternehmen haben einen weiblichen CEO. Und auch im vergangenen Jahr hat sich dieses Bild nicht grundlegend gewandelt, wie beispielsweise die aktuelle Trendstudie 2014 von Kienbaum zeigt. Für diese Studie wurden 190 Personalverantwortliche führender deutscher Unternehmen befragt. Ein wesentliches Ergebnis ist, dass die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen in den Unternehmen noch keine Realität ist: Je höher die Hierarchiestufe, desto geringer der von den Personalern angestrebte Frauenanteil.

Weiter mit den deftigen Scherzen

Aber warum dann diese Häufung von Events, Konferenzen, Plattformen und Netzwerken zum Thema Women Leadership? Ist das wahrhaftiges Bekenntnis oder Verzweiflung? Nein, es ist wohl eher Political Correctness, mit der Frauenquote als Beschleuniger, die hier von den zumeist männlichen CEOs wie eine Monstranz vor sich her getragen wird. Angst davor, beim nächsten Gender-Ranking schlecht abzuschneiden, irgendeine saure Zitrone überreicht zu bekommen und in den Employer-Branding-Wettbewerben die hinteren Ränge zu belegen.

Fragt man Personalberater, die sich schon länger auf die Vermittlung von Frauen in Führungspositionen spezialisiert haben, erfährt man die Wahrheit: Die Personalabteilungen in den Unternehmen rekrutieren weiterhin lieber Männer, einzelne Frauen werden als Feigenblatt in den kommunikativen Mittelpunkt gestellt. Das ist einfacher, denn so müssen sich die bestehenden Boy Groups in den Unternehmen nicht aus ihrer Komfortzone fortbewegen. Sie machen einfach weiter mit ihrem breitbeinigen Gang, deftigen Scherzen und abfälligen Bemerkungen über die neue dicke Controlling-Chefin. Auch wenn gemischte Führungsteams nachweisbar erfolgreicher sind: Wie viel bequemer und vertrauter ist es doch, wenn man unter sich bleibt, so hat es doch Jahrzehnte lang ganz wunderbar funktioniert.