Dass rechtsextreme Bürger und Nazis andere attackieren und bedrohen, ist kein Skandal. Doofe Leute tun das, was sie am besten können. Nämlich doof sein, indem sie ihre Umgebung mit ihrer Verachtung verpesten. Ja ja! Besorgte Bürger, Ängste, Abstiegssorgen und so..., die Rhetorik der Entpolitisierer, Erklärer und Deeskalierer ist bekannt. Sie ist täglicher sprachlicher common sense in Medien und Öffentlichkeit, und sie langweilt zu Tode. Man stirbt ja schon beim Tippen dieser Zeilen an schwindendem Elan.

Aus irgendeinem Grund fällt es manchen sehr schwer, zuzugeben, dass beträchtliche Teile der Deutschen, obwohl sie aus der Naziideologie herausgebombt und zur Demokratie geführt wurden, das Denken im alten Schema nicht aufgeben wollen oder können. Wir Deutschen, das bedrohte Volk! Hier quillt ja noch aus jedem Gedankenwinkel eine nationalistische Winseligkeit heraus, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst das Taschentuch draufdrücken soll. Aber so ist es nun einmal. Wir sind auch ein rassistisches Volk. Man kann sich ja immer noch damit trösten, dass es woanders in Europa auch nicht besser läuft. Wem’s hilft – bitteschön.

Pegida-Anhänger, Pro-Deutschland-Sympathisanten, Sarrazinleser, NPD-Wähler, NSU-Netzwerker, AFD-Menschen, Seehoferbewunderer, all diese Leute, die ihre ganze politische Energie aus der bloßen Anwesenheit von Flüchtlingen und einstigen Immigranten und deren Nachfahren schöpfen, machen sich lächerlich. Wer gegen Flüchtlinge bei Eiseskälte die warme Stube verlässt, auf die Straße tritt, schrill herumbrüllt und bei der Anwesenheit von Presse derart die Nerven verliert – ganz ehrlich – der ist doch nicht ganz knusper, oder?  Und wer sich derart in seiner Menschlichkeit aufgegeben hat, ist nicht mehr zu retten. In diesem Satz steckt weder Freude noch Bedauern, sondern einfach nur Distanz. Man kann sich einander als Mitbürger fremd werden. Wir müssen ja nicht alle im gleichen Schützenverein saufen und grölen.

Was aber wirklich nervt, sind unsere Behörden. Polizei und Verfassungsschutz vorneweg. Ein winziges Beispiel aus München und Umgebung. Man könnte auch eine andere Region nehmen. In Deutschland wird ja derzeit angezündet, abgefackelt und mit verfassungsfeindlichen Parolen hantiert, dass die Liste an Delikten geradezu barock anmutet. Also nach Bayern: Eine Verkehrshaltestelle wird mit Deportationszügen bemalt. In einer Moschee wird ein Brandsatz gelegt. Ein Schlägertrupp von acht Leuten überfällt einen Dönerimbiss. Und das Auto einer Münchener Familie mit türkischen Wurzeln wurde von Unbekannten mit einem Hakenkreuz beschmiert.

Worauf könnte das wohl hindeuten?

Der bayerische Polizeisprecher:

"Für einen politisch rechts motivierten Hintergrund gibt es keine Anhaltspunkte."

Riesentumult anschließend in den sozialen Netzwerken, die Süddeutsche Zeitung berichtete sofort. Anschließend Dementi der Münchener Polizei, das Hakenkreuz auf dem Auto sei nun doch ein Indiz für eine rechte Tat. Im Fall der Moschee und dem Brandanschlag hieß es vom Verfassungsschutz, dass es sich um eine "innertürkische Angelegenheit" handele. Der NSU lässt natürlich grüßen. 14 Jahre und zehn Morde lang hieß es vom Staatsschutz, dass man es mit einer innertürkischen Angelegenheit zu tun hätte. Bei der beschmierten Haltestelle beschwichtigt der bayerische Staatschützer, da haben wohl ein paar Jugendliche versucht, etwas zu verarbeiten, was sie gesehen oder gehört hätten und was den Imbiss betrifft: die läppische Antwort war, manche tendierten nun einmal nach rechts und andere nach links.

Seit diesem Sommer ist der Paragraph 46 des Strafgesetzbuches ergänzt worden.Künftig werden beim Strafmaß auch rassistische, fremdenfeindliche und menschenverachtende Motive berücksichtigt. Doch es ergibt keinen Sinn, dass etwas verboten ist, was nicht geahndet wird, weil die zuständigen Ermittler nicht kapieren, wann es sich um Rechtsextremismus handelt. Die Zahl der Verhaftungen wird sicherlich nicht sinken. Man kann sich nicht erinnern, dass bei täglich 50 Anschlägen von Rechten auch täglich 50, 30, 20, 3 oder wenigstens einer, ein einziger pro Tag festgenommen und bestraft wird. Oder einer in einer Woche. Oder einem Monat. Ach, lassen wir das! Wer bis hierher vor Langeweile nicht eingeschlafen ist, der wiiiiiiiiirrrrrrd auch phhhh, schnaarch,  ppppphhhhh...