"Mein erster und bester Freund ist nicht mehr." Mit diesen Worten hat Raphaël Glucksmann den Tod seinen Vaters öffentlich gemacht. André Glucksmann sei am Montagabend im Alter von 78 Jahren in Paris gestorben. Der Publizist war einer der wichtigsten französischen Philosophen der Gegenwart. "Mein Vater war ein guter und genialer Mensch", erinnert sich sein Sohn. Mit ihm habe er einfach "alles machen" und auch "gar nichts machen" können.

Glucksmann stammte aus einer jüdischen Familie mit Wurzeln in Osteuropa, die nach Frankreich emigrierte. Wie sein Landsmann Bernard-Henri Lévy gehörte auch er der Bewegung der Neuen Philosophen an, die sich nach 1968 vom Marxismus abwandten und sich zu Kritikern von Kommunismus und Totalitarismus entwickelten. Auch Glucksmann wandelte sich von einem Maoisten und Kommunisten zum Verteidiger von Demokratie und Marktwirtschaft.

Später weitete er sein antitotalitäres Erklärungsmodell auch auf den Terrorismus an. Immer wieder forderte er westliche Staaten auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten zu intervenieren. So unterstützte er unter anderem den Krieg im Irak.

In Deutschland wurde er vor allem bekannt durch sein 1976 in deutscher Übersetzung erschienenes Buch Köchin und Menschenfresser. Über die Beziehung zwischen Staat, Marxismus und Konzentrationslager. Ganz unter dem  Einfluss von Solschenizyns Archipel Gulag rechnet er darin mit dem Stalinismus ab. Erschienen sind außerdem Philosophie der Abschreckung sowie Hass. Die Rückkehr einer elementaren Gewalt. Glucksmann war darüber hinaus ein Kenner der deutschen Philosophie und Kultur und häufig als Interview- und Diskussionspartner in deutschen Medien präsent.