Die CDU hat es auf ihrem Parteitag in Karlsruhe beschlossen. Wenn es nach ihr geht, soll die deutsche Nationalhymne einen Platz im Grundgesetz bekommen.

Bislang regelt das Grundgesetz die Aufgaben der staatlichen Organe und zählt die Grundrechte der Bürger auf. Wie aber verankert man die Hymne in der Grundrechtecharta unseres Landes? Bekäme die Nationalhymne eigene Rechte? Oder gilt das Singen der Nationalhymne demnächst als Pflicht eines jeden Bundesbürgers? Und was geschieht, wenn man die Nationalhymne beschädigt? Indem man sie beispielsweise besoffen und unmelodisch grölt? Kommt man dann ins Gefängnis?

Es gibt durchaus Länder auf dieser Erde, in denen man eingesperrt wird, wenn man die Fahne oder Hymne seines Landes verjuxt. "Vaterlandsverräter", ruft einem dann ein solcher Staat entgegen, "elender Nationalist" ruft der Häftling dann zurück. So weit die Fronten, alles bekannt. Bislang verortet man solche Vorgänge in Russland, der Türkei oder China.

Die "Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole" ist auch in Deutschland verboten. Die Höchststrafe dafür wären drei Jahre Haft. Immer wieder landen solche Fälle vor Gericht, die zumeist mit einem Freispruch enden. Denn wir haben auch Meinungs- und Kunstfreiheit. Unvergessen der vor dem Bundesverfassungsgericht gelandete Fall eines rechtsextremen Demonstranten, der die Farben der Nationalflagge als "Schwarz-Rot-Senf" bezeichnete. Er befand die Farben "Schwarz-Weiß-Rot" der Reichsfahne für sein Deutschland gültiger. Mehr als vier Jahre lang wurde vor unterschiedlichen Instanzen gestritten, um dann festzustellen, dass seine Äußerung durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt gewesen war.

"Looking for Freedom"

Aus Gründen der Gewohnheit sang man im wiedervereinigten Deutschland nach 1990 die dritte Strophe des Deutschlandliedes anstelle einer Nationalhymne. Denn offiziell gab es noch keine. Man schunkelte aber auch zu dem für die Wiedervereinigung komponierten Stück Wind Of Change von Klaus Meine, dem Sänger der Scorpions. Was die Textsicherheit der Deutschen betrifft, kann man sagen, dass die Bevölkerung die Liedstrophe von Hoffmann von Fallersleben aus Hannover-Langenhagen besser beherrschte. Ach ja, man sang in dieser Zeit auch gerne Looking for Freedom von David Hasselhoff, der dieses Lied aus der Mottenkiste der Popmusik kramte und damit die Singlecharts nach der Wende anführte. Die Deutschen meinten fälschlicherweise, es ginge in dem Lied um ein Volk, das nach Freiheit strebe. Tatsächlich handelt das Lied von einem Vater-Sohn-Konflikt.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl nahmen die Sache damals also in die Hand, schrieben sich in der Angelegenheit der Nationalhymne zwei Briefe hin und her und besiegelten offiziell:

" ... die 3. Strophe des Hoffmann-Haydn'schen Liedes hat sich als Symbol bewährt. Sie wird im In- und Ausland gespielt, gesungen und geachtet. Sie bringt die Werte verbindlich zum Ausdruck, denen wir uns als Deutsche, als Europäer und als Teil der Völkergemeinschaft verpflichtet fühlen."
19. August 1991, Richard von Weizsäcker

" ... deshalb stimme ich Ihnen namens der Bundesregierung zu, daß sie Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland ist."
Antwort Helmut Kohl, 23. August 1991