Hundert Künstler, Medienschaffende und Wissenschaftler fordern von Kanzlerin Angela Merkel, die türkische Regierung bei ihrem Treffen am Freitag auf die Aggression und die vielen zivilen Opfer im Südosten des Landes anzusprechen. Auch Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei solle sie einfordern, da Intellektuelle, die sich für Frieden einsetzten, verfolgt und verhaftet würden. Das schreiben die Intellektuellen in einem offenen Brief, der auch auf der Petitionsplattform Change.org eingestellt ist.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, der Filmregisseur Fatih Akin, die Schauspieler Benno Fürmann, Katja Riemann und Sibel Kekilli, der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Navid Kermani, und Philipp Ruch vom Zentrum für Politische Schönheit.

Anlass sind die deutsch-türkischen Regierungskonsultationen in Berlin, bei denen Merkel mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu zusammenkommt. In den Gesprächen soll es um den gemeinsamen Kampf gegen den Terror und um Fragen der Migration gehen.

Die Unterzeichner des Briefes fordern von Merkel, dass diese die Gewalteskalation im Südosten der Türkei ansprechen soll. In dem Konflikt seien seit dem vergangenen Herbst schon 170 Zivilisten getötet worden, heißt es in dem Brief. "Die türkische Regierung hat nichts dafür unternommen, den Konflikt zu befrieden, im Gegenteil: Sie befeuert ihn."

Ebenfalls kritisch sehen die Initiatoren des Briefes die Lage der Meinungsfreiheit. Schon mehrere Akademiker säßen im Gefängnis, weil sie kritisch über die Regierung berichtet hatten. Zwar sei die Türkei ein wichtiger Partner für Deutschland und die EU. "Partnerschaft kann jedoch nicht bedeuten, bei Menschenrechtsverletzungen wegzusehen", heißt es in dem Brief.

Die türkische Armee führt im Südosten des Landes seit Monaten eine Offensive gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Im Visier ist vor allem die PKK-Jugendorganisation YDG-H. Nach Militärangaben wurden seit Beginn der Offensive mehr als 400 Aufständische getötet.