Die politische Debatte in den USA erinnert Präsident Barack Obama manchmal an Diskussionen in den Kommentarspalten im Internet. Das sagte er in einem Interview mit drei amerikanischen YouTube-Stars, die den US-Präsidenten nach dessen letzter Rede zur Lage der Nation befragten. "Heutzutage gibt es so wenige Hemmungen, die Leute erfinden einfach Fakten, sie können heute das sagen und nächste Woche erzählen sie das komplette Gegenteil". Kritisch sehe er auch die zunehmende Verrohung der Sprache. "Oft ist das wie in der Kommentarspalte, wie beim Trollen, wenn Leute einfach meinen, sie könnten sich auslassen, ohne wirklich darüber nachzudenken, was sie sagen."

Der Youtuber Adande Thorne hatte Obama gefragt, ob er sich wegen des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump für das amerikanische Volk schäme. "So früh im Wahlkampf hat man oft Leute, die als Spitzenreiter gelten, weil sie laut sind und viel Aufmerksamkeit bekommen", sagte Obama dazu. Trump liegt laut Umfragen im republikanischen Bewerberfeld vorne und fällt sehr oft durch rechtspopulistische Kommentare auf. "Über die Zeit schauen die Wähler genauer hin", fügte Obama hinzu. "Je näher die tatsächliche Entscheidung über den Präsidenten rückt, desto nüchterner wird jeder."


US-Präsident Barack Obama stellte sich bereits 2010 den Fragen von US-YouTube-Stars. Diese Tradition hat er bis heute fortgeführt. Hauptgrund dürfte die Reichweite sein: Die drei in diesem Jahr ausgewählten Youtuber kommen zusammen auf elf Millionen Abonnenten. Obama erreicht über diese Interviews vor allem jüngere Menschen, die sich ansonsten nur wenig für politische Talkshows interessieren dürften. Das sind die drei YouTube-Stars, denen Obama das Interview gegeben hat:

Für Destin Sandlins Wissenschaftsformat Smarter Every Day interessieren sich 3,5 Millionen Menschen.  Mit seinen YouTube-Videos macht er den Zuschauer "jeden Tag klüger" und lernt nebenbei selbst eine Menge dazu. Etwa, dass der simple Umbau eines Rads große Konsequenzen haben kann.

Adande Thorne, bei YouTube besser bekannt als sWooZie, versammelt mit seinen animierten Videos und lebensnahen Themen wie Schule, Liebe und Sex eine Fangemeinde von 3,7 Millionen Abonnenten. Vor seiner YouTube-Karriere war er professioneller Gamer.

Bei Ingrid Nilsen wiederum dreht sich alles um Lifestyle, Mode und Make-up. Missglamorazzi – so nennt sie sich auf YouTube – begeistert regelmäßig rund 3,9 Millionen Abonnenten.