Er hat es schon wieder getan! Ratschläge erteilt. Ob Thomas de Maizière mittlerweile vergessen hat, worin seine Berufstätigkeit besteht? Er ist Minister des Inneren. Er muss den Laden zusammenhalten. Der Laden, das ist die Polizei, der Sport, die Ausländer, die Sicherheit, die politische Bildung, die Informationstechnik, das Pass- und Meldewesen, der Grenzschutz, der Zivilschutz, die Verwaltung – der Laden ist wirklich groß.

 Während einer Flüchtlingskonferenz, die der Ökumenische Rat der Kirchen gemeinsam mit den Vereinten Nationen veranstaltete, erteilte de Maizière Ratschläge gleichermaßen an die Bevölkerung und Politiker. Er sagte unter anderem, dass es die Aufgabe der Politiker sei, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Abgesehen davon, dass dieser Satz besonders durchgenudelt und inhaltsleer ist, hat es natürlich immer etwas Drolliges, wenn Politiker Handlungsanweisungen an die Politik adressieren. Denn man will als Wähler und Bundesbürger immerzu rufen: "Schon vergessen? Wo du sitzt, hast du alle Macht des Parlaments, Sorgen ernst zu nehmen, Politik zu gestalten oder einfach nur zu quasseln. Jeder nach seinen Talenten!"

Das Konzept der Ankündigung statt der beherzten Durchführung kennt man von diätwilligen Personen, die einem die Diät in allen Einzelheiten erklären, statt ihr Konzept einfach durchzuziehen. Nicht ankündigen sondern machen ist ein Talent sehr starker und durchsetzungsfähiger Personen. Schwache Geister benötigen die öffentliche Ankündigung stets als Selbstbestätigung. Dumm nur, dass die Selbstbestätigung den negativen Effekt hat, dass es den Leuten so scheint, als hätten sie schon etwas getan. Am Ende bleibt alles wie gehabt. Wir haben in Deutschland eine beträchtliche Zahl an Politikern, die die ganze liebe Woche von Mikrofon zu Mikrofon eilen und erklären, was zu tun sei.

Das ruppige Volk

Der Innenminister hat Respekt und Dankbarkeit gefordert. Da waren sie schon wieder, seine beiden Lieblingsforderungen: Respekt und Dankbarkeit. Das letzte Mal forderte er sie von den Flüchtlingen, die in seinen Augen nur Ärger in den Aufnahmeeinrichtungen machten. Dieses Mal richtete er seine Bitte an die "einheimische Bevölkerung". Es habe sich "Ruppigkeit" in die Gesellschaft eingeschlichen. Ob er mit Ruppigkeit den politischen Extremismus der Mitte meint? Deren Rhetorik und aggressive Art, auf der Straße zu demonstrieren? Das wäre ein Fall für sein Ministerium. Die politische Bildung der Bevölkerung liegt in seinem Zuständigkeitsbereich. Er unterhält eigens eine Behörde, um aus einem ruppigen Volk ein ruppiges aber demokratisches zu machen. Bundeszentrale für politische Bildung heißt die Einrichtung.

Man kann als Zuhörer wirklich nur staunen. Wie kann ein Minister so hilflos sein, so unsouverän, so weinerlich? Respekt kann man sich nur erarbeiten. Und Souveränität erlangt man, indem man weiß, was man tut und vor allem warum. Und dann geht man diesen Weg, statt zu jammern und zu jaulen.

Doch nun kommt der beste Teil seines Rezeptes für den Zusammenhalt eines friedlichen und dankbaren Volkes. Die Menschen mögen bitte Zeitungen lesen. In seinem Wahlkreis erreichen "gut gemachte" Zeitungen nicht mehr die Wählerschaft. Flehentlich fragt er nach: "Ist es zu viel verlangt, eine Tageszeitung zu abonnieren?"