Eine Jury aus sechs Sprachexperten hat sich unter den eingesandten 669 Vorschlägen für Gutmensch als Unwort des Jahres entschieden. Mit dem Vorwurf Gutmensch, Gutbürger oder Gutmenschentum würden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert, begründete die an der Universität Darmstadt angesiedelte Jury ihre Entscheidung.

Der Begriff Gutmensch werde nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff benutzt, sondern werde auch von Journalisten in Leitmedien als Pauschalkritik an einem "Konformismus des Guten" benutzt.

Viele der eingereichten Vorschläge hatten nach Angaben einer Jurysprecherin die Flüchtlingskrise als Hintergrund. Die Jury könne das Thema kaum ignorieren, hieß es vor der Entscheidung.

Sprachkritik - Gutmensch ist Unwort des Jahres Die sechs Experten der Darmstädter Jury haben das abwertende Wort Gutmensch zum Unwort des Jahres 2015 gewählt. Was halten Bürger von dem Begriff?

Das erste Unwort war 1991 ausländerfrei. Im vergangenen Jahr wurde der Begriff Lügenpresse ausgewählt. Im Jahr davor war es Sozialtourismus, 2012 Opfer-Abo. 2016 fand die Wahl zum 25. Mal statt. 

Die Aktion Unwort des Jahres soll auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden öffentlichen Sprachgebrauch aufmerksam machen, Diskussionen über Sprache anregen und dadurch Sprachsensibilität und Sprachkritik in der Bevölkerung fördern. Die Jury rügte 2016 zudem den Begriff Hausaufgaben im Zusammenhang mit Griechenland sowie den Ausdruck Verschwulung.

Im Dezember hatte die Gesellschaft für deutsche Sprache den Begriff Flüchtling zum Wort des Jahres gekürt.