Ein US-Richter hat erstmals eine Anklage gegen den Komiker Bill Cosby wegen sexuellen Missbrauchs zugelassen. Richter Steven O'Neill aus Norristown im Bundesstaat Pennsylvania entschied, dass die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den 78-Jährigen weiterverfolgt wird. Damit kommt es nun zu einer Vorverhandlung, bei der die Beweislage gegen Cosby geprüft werden soll.

In dem Strafverfahren geht es um einen Fall aus dem Jahr 2004, in dem die Staatsanwaltschaft Cosby "schwere sexuelle Nötigung" zur Last legt. Bei einer Verurteilung drohen dem TV-Star bis zu zehn Jahre Haft und 25.000 Dollar Geldstrafe.

US-Medienberichten zufolge handelt es sich um den Fall der Universitätsmitarbeiterin Andrea Constand, die der Schauspieler 2004 unter Drogen gesetzt und missbraucht haben soll. Der Übergriff soll laut Staatsanwalt Kevin Steele im Haus des Schauspielers in Cheltenham bei Philadelphia stattgefunden haben. Constand habe Cosby damals als "Mentor und Freund" vertraut.

Bezirksstaatsanwalt rollte Ermittlungen neu auf

Knackpunkt der Anhörung in Norristown war ein Deal, den Cosby nach Darstellung seiner Anwälte 2005 mit dem damaligen Bezirksstaatsanwalt Bruce Castor vereinbart hatte. Demnach sollte dem TV-Star keinerlei Strafverfolgung drohen, wenn er eine eidesstattliche Erklärung zu dem Fall abgeben würde. Am Ende sagte Cosby dann auch aus: Er bestritt einen Übergriff auf Constand, gab jedoch unter anderem zu, Frauen zum Sex Beruhigungsmittel verabreicht zu haben. Constand bekam eine nicht näher bezifferte Vergleichszahlung, Staatsanwalt Castor legte den Fall zu den Akten.

Doch rollte sein Nachfolger die Ermittlungen im vergangenen Jahr neu auf, nachdem Cosbys damalige Aussage angesichts ähnlicher Vorwürfe von Dutzenden anderen Frauen enthüllt worden war.

Während der zweitägigen Verhandlung griff Bezirksstaatsanwalt Steele seinen früheren Kollegen Castor scharf an. Es sei fraglich, ob es damals überhaupt eine Einigung auf Immunität für Cosby gegeben habe. Schließlich sei ein Deal nie in einer Gerichtsakte schriftlich belegt worden. Zudem sei Cosbys Anwalt, mit dem Castor damals zu tun gehabt habe, inzwischen verstorben. Im Übrigen habe Castor keine rechtliche Handhabe für eine Übereinkunft gehabt, argumentierte Steele. "Ein Geheimabkommen, das es einem reichen Angeklagten erlaubt, sich aus einem Kriminalfall herauszukaufen, ist nicht in Ordnung", sagte er Richter Steven O'Neill.

Cosbys Anwälte hielten dagegen. Sie hätten ihren Mandanten damals nie aussagen lassen, wenn sie nicht davon hätten ausgehen können, dass ein Strafverfahren dann vom Tisch sein würde.

Richter verweist auf Einzigartigkeit des Falls

Im Zeugenstand verteidigte sich auch Castor. Den Deal mit Cosby habe er in der Hoffnung geschlossen, ihn zum Reden zu bewegen, ohne dass dieser sich auf sein Recht auf Aussageverweigerung berufen könne. Von einer Anklage Cosbys habe er dann unter anderem abgesehen, weil Klägerin Constand jahrelang mit einer Anzeige gegen den Komiker gezögert habe. Eine Rolle habe zudem ihr anhaltender Kontakt zu Cosby gespielt sowie Hinweise, dass sie und ihre Mutter versucht haben könnten, den Star zu erpressen.

Am Ende folgte Richter O'Neill der Staatsanwaltschaft – und wies auf die Einzigartigkeit des Falls hin. Er habe Mühe, ähnliche Fälle zu finden, bei denen einem vorher noch nie angeklagten Verdächtigen Straffreiheit versprochen werde. Normalerweise wird Immunität nach einer Anklage gegen einen Verdächtigen gewährt, weil er oder sie der Staatsanwaltschaft mit einer Aussage oder Information weiterhelfen kann.

Cosby stützte nach dem Richterspruch den Kopf auf seine Hände und verließ den Gerichtssaal. Draußen winkte er Fans zu, gab aber keinen Kommentar ab.

Insgesamt beschuldigen mehr als 50 Frauen den einstigen Star der Cosby Show des sexuellen Missbrauchs. Zu Cosbys mutmaßlichen Opfern gehören Models, Kellnerinnen und Mitarbeiterinnen aus dem Showgeschäft. Die Fälle reichen bis in die 1960er Jahre zurück, die meisten sind daher bereits verjährt. Cosby bestreitet die Vorwürfe vehement.

In zwei Fällen war kürzlich entschieden worden, dass sich Cosby nicht vor Gericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles verzichtete in beiden Fällen auf eine Anklage, da die Vorwürfe bereits verjährt seien. Außerdem gebe es nicht genügend Beweise gegen den Entertainer.