Die Moderatorin hat gerade die erste Frage gestellt, da fängt Jesse Hughes an zu weinen. Er sitzt im Studio des französischen Nachrichtensenders i-Télé, in Lederjacke und mit rot getönter Sonnenbrille, und redet darüber, warum seine Band Eagles of Death Metal heute Abend in Paris spielt – drei Monate nachdem am 13. November der Konzertsaal Bataclan von Terroristen gestürmt wurde, während die Band spielte.  

"Wir müssen dieses Konzert zu Ende bringen", sagt er. "Für uns und für alle, die im Bataclan waren. Das ist die einzige Sache, die ich persönlich tun kann. Auch damit es mir selbst besser geht. Ich kann die Bösen nicht gewinnen lassen. Ich muss bei meinen Freunden sein." 19 Minuten dauert das Interview, immer wieder versagt Hughes, dem Sänger und Frontmann der Band, die Stimme.

Die kalifornischen Rockmusiker spielen am heutigen Dienstagabend im Olympia, einem traditionsreichen Konzertsaal im 9. Arondissement, der mit knapp 2.000 Plätzen etwas größer ist als das Bataclan. In Frankreich wird der Auftritt viel diskutiert. Auch die Zeitung Le Monde hat ein großes Interview mit Hughes veröffentlicht. Im Gespräch mit i-Télé lädt Hughes alle Zuschauer, die am 13. November im Bataclan waren, ein, zum Auftritt zu kommen. Und fügt hinzu: "Ich verstehe was die Leute fühlen, die nicht kommen können."

Das Lied "Kiss the devil", das die Band gerade spielte, als die Terroristen begannen zu schießen, will Hughes nicht spielen. Eigentlich wollte er das Konzert damit eröffnen, habe sich dann aber dagegen entschieden. "Es ist nicht der richtige Moment." Das Konzert zu spielen, sei schwer für ihn. "Aber ich weiß in meinem Herzen: Das Richtige zu tun bedeutet, das Schwerste zu tun." Eine Therapie und eine "heilige Verantwortung" sei der Auftritt, sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. "Ich hoffe, ich kann auf die Bühne gehen und stärker sein als jetzt. Ich will nicht vor allen zusammenbrechen."

Hughes erzählte in dem Interview auch vom Abend des 13. November. "Als ich um mein Leben gerannt bin, war da ein Kerl neben mir, der Schwierigkeiten hatte, zu laufen." Der Mann habe heftig geblutet. "Er hat tief eingeatmet und gesagt: 'Dein letztes Konzert war viel besser'", sagte Hughes. "Das war so unglaublich mutig, einen Witz zu machen."

Die Band war schon früh nach den Attentaten nach Paris zurückgekehrt. Anfang Dezember traten sie bei einem U2-Konzert in Paris auf und sagen ein Lied. Sie besuchten auch das Bataclan. Unter den 89 Toten des Anschlags sind auch der Merchandising-Mitarbeiter der Band und drei Mitarbeiter ihrer Plattenfirma. Die Band hatte angekündigt, bei der Wiedereröffnung des Bataclan spielen zu wollen. Ende des Jahres soll es soweit sein. 

Hughes sagte im Interview mit i-Télé, er glaube, das Bataclan sei gezielt angegriffen worden, "wegen seiner Unterstützung Israels und der Möglichkeit, jüdische Zuschauer zu treffen". Die Attentäter hätten auch den Rock'n'Roll getroffen, aber "sie haben uns alle vereint. Die Franzosen waren unglaublich stark". 

Hughes wiederholte seine Forderungen nach freiem Waffenbesitz, für den er sich seit Jahren einsetzt. Seine Überzeugung hätte sich durch die Attentate nicht geändert. "Hat eure französische Waffenkontrolle irgendeine Person davor bewahrt, im Bataclan zu sterben?", fragte er. "Solange irgendjemand Waffen hat, sollten alle Menschen Waffen haben."