Die Springer-Tochter WeltN24 hat den Journalisten Günther Lachmann entlassen. Das twitterte WeltN24-Herausgeber Stefan Aust. "Solange wir Mitarbeitern kein unredliches Verhalten nachweisen können, stehen wir hinter ihnen, wenn es andere Informationen gibt, trennen wir uns von ihnen", sagte Aust Spiegel Online zur Erklärung. Damit meint er Vorwürfe, die der nordrheinwestfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell seit einigen Wochen gegen Lachmann erhebt: Der Journalist, der für die Welt über die AfD berichtete, soll sich der Partei seit Monaten – vor allem seit der Abwahl Bernd Luckes – als politischer Berater angeboten haben. Dafür habe er eine monatliche Gage von 4.000 Euro verlangt. 

Pretzell hatte Ende Januar auf Facebook von Lachmanns Engagement berichtet. Lachmann habe sich als "Teilzeit-Pressestrategie-Berater für die AfD" angeboten und habe dafür einen monatlichen Lohn in Höhe von 4.000 Euro verlangt, schrieb Pretzell auf seiner Facebook-Seite. "Herr Lachmann wollte zwar die AfD mit Frauke Petry und Jörg Meuthen beraten, aber er wollte seinen Job als Journalist bei Die Welt nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD", schrieb Pretzell. 

Lachmann erklärte gegenüber WeltN24 nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe laut Informationen von Spiegel Online eidesstattlich, dass die Vorwürfe unbegründet seien. Auf Anraten des Verlags leitete Lachmann daraufhin rechtliche Schritte gegen Pretzell ein, der allerdings bei seiner Darstellung blieb. Anfragen verschiedener Medien, sich zu der Sache zu äußern, ließ Pretzell unbeantwortet. Eine von Lachmanns Anwälten geforderte Unterlassungserklärung wollte er jedenfalls nicht unterzeichnen.

Erst als die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit über den Fall berichten wollte, war Pretzell zu weitergehenden Aussagen bereit. "Lachmann sagt die Unwahrheit, er wollte sich sehr wohl für 4.000 EUR monatlich kaufen lassen", zitiert das Blatt Pretzell. "Zwei Zeugen können belegen, dass meine Schilderung stimmt. Lachmann wird daher vor Gericht scheitern."

"Ich habe mal ein Manifest der Verantwortungsdemokratie skizziert…"

Für den Bericht zitiert die Zeitung außerdem E-Mails, die das Angebot Lachmanns an die AfD belegen sollten. Einen Tag nach der Abwahl Bernd Luckes als Parteichef etwa habe Lachmann der Pressesprecherin Pretzells geschrieben: "Wir sprachen gestern darüber, wie die AfD ihr national-konservatives Stigma los wird. Dazu kam mir eine Idee, die ich schnell mal aufgeschrieben habe. Lassen sie sich den Text mal einige Tage durch den Kopf gehen."

Wenige Tage später legte er dann das Manifest eines "ideologisch-weltanschaulichen Überbau[s]" vor, das er als "Versicherung gegen alle Versuche, die Partei rechts zu verordnen" bezeichnete. Das Zitat aus der Mail liest sich wie die Initiative eines engagierten Parteimitglieds: "Ich habe mal ein Manifest der Verantwortungsdemokratie skizziert, aus dem sich die AfD und folglich auch ihr Programm ableiten kann", heißt es in der Nachricht an das Büro Pretzells. Sein Büro bestätigte die Echtheit der in den Mails zitierten Aussagen ZEIT ONLINE.

Weder WeltN24 noch die AfD äußerten sich zunächst weitergehend zu den Vorgängen. Sollte Lachmann seine Avancen in Richtung der AfD jedoch tatsächlich per eidesstattlicher Erklärung bestritten haben, dürften ihm strafrechtliche Konsequenzen drohen.