Wo komm ich her, wo geh ich hin: Das sind die großen Fragen, bei denen selbst den vergrübeltesten Gelehrten die Brille beschlägt. Besonders das Jenseits macht ihnen stets zu schaffen. Ob es dort eher aussieht wie in einem dieser weißgetünchten Wellnesshotels im Sauerland oder ob es sich wirklich so paradiesisch anfühlt wie, sagen wir, Sitzenbleiben in einer Autowaschanlage, darüber sind sich sowohl Theologie als auch die zeitgenössische Erbauungsliteratur uneins.

Ähnlich problematisch, ästhetisch indes wichtiger, ist die Frage, in welchem Gefäß die Gebeine oder die sterblichen Überreste nach dem Tode gelagert werden sollen. Nun konnte man lesen, dass die Asche der "Kaffee-Ikone" (Spiegel Online) Renato Bialetti in einer Espressokanne beigesetzt wurde, einem Modell jenes Fabrikats, das Bialetti selbst berühmt gemacht hatte. Solche Bestattungskapriziosen sind unbedingt zu begrüßen in diesen fantasielosen Zeiten, in denen pausenlos der Moment gefeiert wird, aber an das Ende kaum noch gedacht wird.

In unserer sogenannten Wohlstandsgesellschaft verbringen so viele Menschen ihre Lebenszeit mit Wohnen und gehen ihrer Umwelt mit dem Nachdenken über dasselbe auf die Nerven. Umso verwunderlicher, dass sie sich mit Bestattungsfragen kaum in dieser Intensität beschäftigen. Schließlich geht es ja ebenfalls darum, gut untergebracht zu sein, wenn die Seele – soviel Esoterik gönnen wir uns an dieser Stelle – rübermacht in den Himmel, wo sie darauf wartet, als Mathematikgenie wiedergeboren zu werden, als Pinguin oder Mikrochip, je nachdem, woran man eben glaubt.

Es grenzt, so besehen, an ein Wunder, dass Banken noch keinen Bausparvertrag fürs Mausoleum anbieten und Werbespots senden mit Familie Mustermann, die besinnlich und froh übers Marmor streicht, über die Engel und Löwenköpfe, und dabei summt "Wir geben unserem Ende ein Zuhause", wobei das mindestens als dekadent abgetan werden würde. Man kann Bialettis letzte Ruhestätte natürlich auch für einen allerletzten Scherz halten, so wie manche sich bisweilen darüber belustigten, dass die Urne von Udo Jürgens in einem weißen Flügel beigesetzt wurde. Zumal, da die Urne in ihrem Wesen zutiefst protestantisch ist als gefäßgewordener Schwiegermuttersatz: "Bloß keine Umstände!", platzsparend, genügsam, anständig. Und wenn sich diesbezüglich einmal jemand eine Extravaganz leistet, wird das sofort aufgeregt berichtet.

Dabei ist es nicht unklug, sich gleich in der Grabbeigabe beerdigen zu lassen. Sollte nämlich anderslautender Gerüchte zum Trotz der Tag des jüngsten Gerichts doch noch kommen, sollten die Toten sich erheben, samt Bialetti und Jürgens, was bräuchten sie dann am dringlichsten? Einen starken Kaffee und etwas sanfte Klaviermusik.