Wem gerade langweilig ist, der kann einfach auf Twitter gehen und sich vom Hollywood-Schauspieler James Woods beschimpfen lassen. Woods, bekannt aus Salvador (1986) und Mord im Zwiebelfeld (1979), hat seit einer Weile eine Art Zweitkarriere als konservativer Kommentator auf Twitter. Er postet über Obamas Verfehlungen und Verbrechen, verlinkt konservative Medien und streitet sich mit anderen Twitter-Nutzern. Wer ihm widerspricht, ist ein "Clown" oder gleich "Abschaum".

Vor noch 15 Jahren hätte dieses Verhalten das Ende seiner Karriere bedeutet. Heute wird Woods von Republikanern hofiert und darf Off-Sprecher der offiziellen Dokumentation über Carly Fiorina sein. Kurzzeitig hatte er Fiorina auch endorsed – ihr seine Unterstützung zugesagt und zu "seiner" Kandidatin bestimmt – um dann doch zu Ted Cruz zu wechseln. Das Fiorina-Lager war sauer, das Cruz-Lager erfreut.

In den USA gehören prominente Unterstützer – ob Sportler, Schauspieler oder Musiker – zum politischen Betrieb, und die Jagd nach ihnen ist ein wichtiger Teil des Wahlkampfs. Entertainment wird nicht politisch, Politik wird zu Entertainment. Der Begriff celebrity endorsement kommt eigentlich aus der Werbung: Elizabeth Taylor lässt nur Max Factor an ihre Lippen; Heidi Klum bevorzugt Margaret Astor und Drei-Wetter-Taft. Schön. Aber dass Mike Tyson öffentlich äußert, er wolle Donald Trump im Weißen Haus sehen, hat eine andere Qualität.

Dazu gibt es in Deutschland kein Äquivalent, noch nicht einmal eine direkte Übersetzung. Prominente hier engagieren sich gegen Kinderarmut und für Umweltschutz, aber nur selten für konkrete parteipolitische Ziele oder gar Kandidaten. Wer weiß schon, wen Claude-Oliver Rudolph wählt?

In den USA haben offen konservative Stars große Bedeutung für das Image der Republikaner, die sich stets als ausgegrenzte Minderheit und Stimme der stillen Mehrheit gleichzeitig positionieren. Die englischsprachige Wikipedia listet hilfreich die Unterstützer aller Kandidaten auf. Ted Cruz hat nicht nur James Woods, sondern auch den Dramatiker David Mamet und den Rundfunkmoderator Glenn Beck auf seiner Seite. Auch die ewige Frage, wer denn eigentlich bitte den ewig schläfrigen Ex-Gehirnchirurgen Ben Carson wählen würde, kann endlich beantwortet werden: Roger McGuinn von den Byrds, der Sitcom-Star Kelsey Grammer und der Oscar-Nominierte Mickey Rourke zum Beispiel.

Trump zieht die Spinner an

Die illustreste Runde hat sich natürlich um Trump geschart: diverse Wrestler, aber auch der umstrittene Vergewaltigungsbefürworter Roosh V, der als mental instabile bekannte Gary Busey und der Rocker Ted Nugent, der kürzlich auf Facebook verbreitete, dass eine jüdische Verschwörung den Amerikanern die Waffen wegnehmen will.

Selbst ein radikal Rechter wie Ted Cruz würde sich von so einer Gefolgschaft distanzieren müssen, Trump sieht dazu keine Veranlassung. Als Kandidat, der "Anti-Establishment" ist, zeigt er tatsächlich ein paar der Widersprüche auf, mit dem der Rest der Republikaner seit Jahren kämpft. Trotz des Erfolgs von Trump und der Tea Party gibt es bestimmte rechte Grenzen, die sie nicht übertreten dürfen, um Wähler zu verlieren.

Aber der Feind steht natürlich weiterhin links. Die zahlreichen Labels – konservativ gegen liberal, red state gegen blue state, traditionell gegen progressiv – fassen den Konflikt nur unzureichend. Es geht nicht einfach nur um Wirtschaft und Finanzpolitik, es geht um fundamental unterschiedliche Vorstellungen, wie die amerikanische Gesellschaft aussehen soll. Hauptschauplatz dieses Konflikts, meinen die Konservativen, ist die Kultur.