Was für eine Verschwendung! Man kann doch diese zarte Romanze nicht ausgerechnet in der Ausgabe vor Karfreitag veröffentlichen. Da hat man schon einmal Frauke Petry und Marcus Pretzell in der Rubrik "Politik/Wirtschaft" des Gesellschaftsmagazins Bunte und quetscht die Fotolovestory verschämt zwischen eine Begegnung mit Papst Benedikt ("Ich reise oft nach Bayern. Im Geiste und mit dem Herzen") und einer Geschichte über Kate Winslets Beckenboden ("Ich kann nicht mehr Trampolinspringen. Ich mache mich nass.")?

Die Story trägt die Überschrift:"Wie gefährlich ist das Paar?"

Aber "das umstrittene Power-Paar der AfD" ist nicht einmal auf dem Titelblatt angekündigt! Selbst im Inhaltsverzeichnis wird der Ball enttäuschend flach gehalten. Man fragt sich, warum Caroline von Monaco nun zum zweiten Mal in Folge auf dem Cover landet, nicht aber Frauke Petry ("Aus dem Osten, zierlich, jung". Petry über Petry) und Marcus Pretzell ("Betonung auf der letzten Silbe. Darauf legt er Wert."). Sollte das Ganze übersehen werden? Entsprechend lieblos lasen sich auch die Nachbesprechungen der Kollegen in diversen Blättern irgendwann zwischen Kreuzigung und Auferstehung. Dass Marcus Pretzell in Frauke etwas "dämonenhaft Schönes" sieht, wurde begierig und interessiert zur Kenntnis genommen. Wie auch jene Aussagen, in denen sich die beiden von Kollegen distanzieren. Vor allem von Beatrix von Storch ("katastrophal") und Alexander Gauland ("fatal") und so weiter.

Natürlich sind die politischen Ansichten dieser beiden Politiker, deren Partei mittlerweile in acht Landesparlamenten sitzt, interessant, wenn nicht sogar wichtig. Und es hat schon auch seine kabarettistischen Seiten, wenn Frauke Petry betont, sie habe nie auf Flüchtlinge schießen wollen ("Ich habe gesagt: von der Schusswaffe Gebrauch machen. Das heißt nicht auf Menschen zu schießen.") und ihr Liebster ihr an dieser Stelle nicht zur Seite springt. Immerhin war der Gebrauch der Schusswaffe an der Grenze seine Idee. Petry wiederholte es nur. Bis heute wird merkwürdigerweise nur sie mit diesem Zitat in Verbindung gebracht, nicht er. Da es in der Bunten nicht darum geht, politisch investigativ zu sein, bohren die Reporter Katrin Sachse (Nachname von der Redaktion nicht ausgedacht) und Manfred Otzelberger (Betonung wahrscheinlich auf der ersten Silbe) auch nicht weiter nach.

Es gibt in der modernen Welt nicht viele Möglichkeiten, fragwürdige Personen gesellschaftsfähig zu machen. Früher, als es noch den Adel gab, mit Stand und Macht und ohne Mandat und so, da wurden junge Damen und Herren auf einem Ball eingeführt. Die jungen Frauen kleideten sich hübsch und es war von Belang, wer sie als Erstes "übers Parkett wirbeln durfte". Ein Debütantinnenball sorgte dafür, dass Hochzeiten arrangiert wurden, neue Familien zusammengeführt und die ganze Bagage unter sich blieb (auf Seite 23 übrigens heißt es in einer Bildunterschrift tatsächlich, dass die Debütantin Alexandra den Mantel abgelegt habe und von Frederik "übers Parkett gewirbelt werde"). Nach einem Ball wurde auf allerhand anderen Gesellschaften über alles geklatscht. Wer mit wem und warum und "hamse schon gehört, dämonenhaft schön hat er sie genannt".

Fanatismus mit Feeling

Heutzutage gibt es für Radikale nur zwei Möglichkeiten, sich ein emotionales Antlitz zu verpassen. Man muss warten, bis man ein Angebot bekommt, sich für den Playboy auszuziehen, was immer mit Mühsal verbunden ist (Abnehmen, Work-out, neue Brüste), oder man knackt den Jackpot und wird für eine Bunte-Story eingeladen, bei der geschicktes Make-up dafür sorgt, dass die Fassade mal einen anderen Anstrich bekommt. Wenn man dann noch viel mehr Glück hat, wird man von den Autoren als eine Partei beschrieben, über die sich manche Wähler ganz dolle erschrecken: "Das ungewöhnliche Liebespaar und ihre politische Botschaft beunruhigt viele Menschen." Das ist Rechtsextremismus mit humanem Antlitz. Das ist Fanatismus mit Feeling und auch mal Zeit für Spaß und ein bisschen gute Laune. Bunte: "Wer hat bei Ihnen die Hosen an?" Pretzell: "Ich trage zumindest nie einen Rock."

Von Haider gibt es Fotos, wie er ausgelassen sein Schnapsglas in der Disko hochstreckt. Schnapsglaserl, nicht Champagnerkelch. Die Tanzhölle, in die er die Journalisten gleich mitnahm, hieß: Tollhaus in Spittal an der Drau. Prollschuppen mit Prollmucke und Prollkerlen. Sollte sagen: Schaut her, i bin oaner von euch. Marine Le Pen braucht kein humanes Antlitz. Sie ist mit einem autoritären Vater gesegnet. Eine ganze Nation wurde Zeuge, wie sich Marine vom braven Töchterchen zur Führungsfigur durchkämpfte. Die sich vom rechtsradikalen Vater emanzipierte, weil er Antisemit ist. Marine und Jean-Marie. Allein die Namen. Die vielen Tränen. Wenn das nicht bald verfilmt wird.