Auch etwas anderes verbindet uns: Unsere Körper und unser Essverhalten wurden schon als Kinder, spätestens als Teenager bewertet und verglichen. Etwa so: "Iss nicht so viel Süßes, du hast schon einen Hintern, der so dick ist wie der von Tante Monika." Oder: "Dein Magen ist kein üppiges Tischgedeck, sondern eine kleine Schale. Behandle ihn so!" Oder so: "Mit deinen Oberschenkeln kannst du niemals kurze Röcke anziehen." Oder: "Steig lieber Treppen, das ist gut gegen Cellulite, du hast ja jetzt schon welche." Oder: "Wow, hast du toll abgenommen, du siehst so hübsch aus."

Im Übrigen waren es explizit nicht nur die bösen Mütter, die kommentieren. Die Väter waren auch nicht besser. Auch sie bewerteten und beurteilten die Körper ihrer kleinen Prinzessinnen, und nicht wenige von ihnen legen heute selbst ein pathologisches Essverhalten an den Tag. Dabei ist es ebenfalls egal, wie dick oder dünn die Mütter und Väter selbst sind – wenn auch die Diskussion über Gewicht und Körper in dicken Familien aufgrund des gesellschaftlichen Drucks unausweichlich ist. Dass Körper und Ernährung ein ungesundes Dauerthema sind, gilt auch für Familien, in denen alle schlank sind.

Die Familie als Schutzraum

Die Familie könnte der Ort sein, an dem die gesellschaftlichen Einflüsse, die Körperideologien in den Medien, denen Heranwachsende täglich ausgesetzt sind, abgedämpft werden. Aber leider passiert das auch heute noch viel zu selten. Das Bewusstsein dafür, welchen großen Schaden die innerfamiliären Kommentare und Bewertungen anrichten, ist zu schwach ausgeprägt, lieber gibt man den Medien die ganze Schuld. Auch ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, mit welch verrückten Essverhalten ich als Kind konfrontiert war.

Nun habe ich mir vorgenommen, das Aussehen meiner Kinder niemals zu bewerten. Nicht negativ und nicht zu positiv, denn andersherum wird es ja auch nicht besser: Wer sein Kind permanent für sein Aussehen lobt, sorgt dafür, dass dieses im Leben des Kindes einen übergroßen Stellenwert einnimmt und Verunsicherung im Selbstwertgefühl eintritt, sollte das Lob einmal ausbleiben.

Wesentlich schwieriger ist es als erwachsener Mensch, das Verhältnis zum eigenen Körper zu verändern. Wer Kindern einen entspannten Umgang mit dem eigenen Körper vermitteln will, muss mit sich selbst im Reinen sein – und das lässt sich nicht erzwingen. Ein Schritt auf dem Weg dahin wäre, vor den Kindern auf jegliche Abwertung auch des eigenen Körpers und anderer Körper ganz zu verzichten. Ein erster Schritt zur Selbstliebe, manchmal verändert das Handeln die Einstellung.

Fehlt also nur noch die gesellschaftliche Bewegung dazu: Body Positivity heißt sie, und kommt, wie so vieles, aus den USA. Sie will erreichen, dass wir unseren Körper als einzigartig annehmen, ihn gut behandeln, Frieden mit ihm schließen. Das ist doch mal ein schöner Trend.