Es ist der Versuch, faschistische Gedanken als eine Meinung unter vielen anderen Meinungen darzustellen.

Es ist der Anschluss an die extreme Rechte.

Es ist das Bemühen, mit jedem wiederbelebten Begriff von damals auch ein Stück der Ideologie dieser Zeit in aktuellen Debatten zu verankern.

Erst tauchte die Lügenpresse wieder auf, dann die Umvolkung. Auch Volksverräter gibt es schon wieder. Und nun auch noch völkisch. Als Nächstes werden dann wohl Ausdrücke wie Volksgenosse, Volksgemeinschaft und Volksstaat wiederbelebt, die von den Nationalsozialisten inflationär gebraucht wurden, um die Verfolgung innerer und äußerer Gegner zu rechtfertigen.

Petry sagte, völkisch sei letztlich "ein zugehöriges Attribut" zum Wort "Volk". Und sie habe ein Problem damit, "dass es bei der Ächtung des Begriffes 'völkisch' nicht bleibt, sondern der negative Beigeschmack auf das Wort 'Volk' ausgedehnt wird".

Völkisch heißt übersetzt deutsch

Beides ist Unsinn. Völkisch ist nicht irgendein zugehöriges Adjektiv zu Volk. Die Nachsilbe -isch ist eine Übertragung des indogermanischen -isk. Das Adjektiv diutisc oder theodisk bedeutete ursprünglich "zum Volk gehörig", es diente in früherer Zeit der Abgrenzung zu lateinisch sprechenden Gelehrten und wurde dann zur Bezeichnung für deutsche Stämme. Völkisch ist somit eine Übersetzung von deutsch. Der Romantiker Johann Gottlieb Fichte ist einer der Schöpfer des Ausdruckes. Er schrieb: "Deutsch heiszt schon der Wortbedeutung nach völkisch."

Der Ausdruck Volk meinte ursprünglich nur einen Heerhaufen, eine geschlossene Abteilung von Kämpfern. Im Mittelalter dehnte sich der Begriff aus und bezog sich auf jede Art von Gemeinschaft, die durch irgendeine Gemeinsamkeit zusammengehalten wird. Romantiker wie Fichte begrenzten ihn dann auf eine biologische Komponente und schufen die völkische Bewegung. Im Kampf gegen Napoleon entwarfen sie mit ihr die Ideologie eines extremen deutschen Nationalismus. Diese Bewegung und dieser Begriff stehen für den Kampf gegen Kommunismus, Einwanderung, parlamentarische Prinzipien und Juden. Der Begriff wurde fortan in "chauvinistischer, rassistischer und demagogischer Absicht verwendet", wie das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache zusammenfasst.

Auch Volk ist damit kein ganz unschuldiges Wort mehr, wenn es dabei um das deutsche Volk geht. Das gilt erst recht für das Adjektiv. 

Bis heute ist völkisch, wie das Deutsche Wörterbuch vermerkt, "im Parteigezänk mit dem Klange eines Schlag- und Kampfwortes behaftet", das besonders oft dazu benutzt werde, um den "Rassengegensatz gegen die Juden" zu betonen. Wer das Wort benutzt, will nicht irgendeinen Begriff positiv besetzen. Er oder sie will damit rassistische Gedanken verbreiten und Andersdenkende bekämpfen.