Man gewöhnt sich schnell an die Hitze. Nach einem Tag des Staunens über die grausamen Temperaturen, nach ein, zwei stickigen, schlaflosen Nächten entspannt sich der Körper, wird der Atem langsamer und regelmäßiger, bereitet man jeden Schritt, der einen in die Sonne führt, genauer vor. Das Ziel ist der Schatten oder das Wasser, das Ziel ist, Distanz zu halten, damit das Gehirn nicht zu sehr erhitzt wird. Das Ziel ist natürlich auch: Fun in the Sun

Urlaub im Salento, an der Absatzspitze Italiens. Mit im Gepäck sind Ignazio Silones herzzerreißender Debütroman Fontamara von 1933, die Geschichte der allmählichen Vereinnahmung eines bitterarmen Dorfes in den Abruzzen durch Handlanger und Truppen der faschistischen Regierung. Nicht nur die Funken, die zwischen den Cafoni, den Dorfbauern, und "denen da unten" – Hunden, Aufsehern, Fürsten – sprühen, schildert Silone anschaulich, auch die Sommerhitze: "Auf der Straße in der Ebene herrschte eine Hitze wie im Backofen. Die Luft war fast schwarz. Wir bewegten uns mit hängender Zunge vorwärts wie eine Herde Schafe." Genau.

In Süditalien kann man so alte Bücher problemlos lesen: Alt ist dort normal, die Häuser scheinen fast auseinanderzufallen, oder sie sind im Rohbau stehengeblieben, der Mais auf den Feldern wirkt matt und lebensmüde. Die jungen Leute zieht es aus den Dörfern fort; zumindest in dieser Beziehung ist das nicht anders als in Brandenburg. In den Dörfern hocken verwitterte Leutchen vor ihren Häusern, schwatzen und spielen Karten, Scopa oder Briscola. Ein Greis, der mit seiner Dackeldame, Emma, 18 Jahre alt, auf seiner Türschwelle sitzt, gibt Auskunft zu den spärlichen Amüsiermöglichkeiten des Ortes: Nein, es gibt hier kein Restaurant und auch keine Zigaretten zu kaufen. Offenbar hat er Spaß daran, mal wieder mit Fremden zu sprechen. Sein Englisch hat er in der australischen Kriegsgefangenschaft gelernt. 

Stephanie Fezer (ehemals Wurster) lebt als freie Autorin und Redakteurin in Berlin. Sie studierte deutsche und englische Literaturwissenschaften in Freiburg, Köln und Berlin. Im Januar 2015 erschien ihre Übersetzung des Romans "Torpor" von Chris Kraus im b_books Verlag. Sie ist Gastautorin von "10 nach 8".

Auf den Feldern, gleich neben der Straße, äschern die Bauern die Getreidestoppeln ein. Schön sieht das aus, wenn das Feuer im Kreis gelegt wird und sich nach innen frisst. So eine Aktion kann aber auch mal schiefgehen: An den Malediven des Salento – so heißt der wegen seines breiten Sandstrandes und des klaren, flachen Wassers bei italienischen Touristen beliebteste Strand des Salento – schiebt sich an einem Tag eine schwarze Wand aus Rauch und Ruß über den blauen Himmel. Die Italiener wirken gelassen; solche Brände gebe es im Sommer oft. Regen allerdings ist äußerst selten, und wenn er kommt, wird es hektisch – bei den ersten Tropfen rafft man sein Hab und Strandgut zusammen und bringt sich in Sicherheit. Erst, wenn absolut nichts Nasses mehr vom Himmel fällt, wagt man sich wieder auf die Straße. Das mag gut und richtig sein für die, die Angst um ihre feinen italienischen Sommerschuhe haben. Wir aber finden, es ist eigenartig. 

In Rom dann, wo der Süden beginnt, wie man in Italien sagt, ist alles eigenartig: Es sind kaum Römer und Römerinnen zu sehen, die Straßen sind so leer, dass man sie für Fußgängerzonen halten könnte. In Italien kann man ja wirklich von großen Ferien sprechen: Sie sind für Schüler_Innen in allen 20 Regionen deckungsgleich und erstrecken sich über mehr als drei Monate, bis Mitte September. Die Folgen? Nur zwei Worte: großer Andrang.

Touristen in Rom fotografieren Sehenswürdigkeiten grundsätzlich nur mit sich selbst; wer noch keinen Selfiestick hat, der kauft sich hier einen. Zur Abkühlung hat man sich mit dem Ice Club, der sich direkt in unserer Straße befindet, übrigens etwas ganz Besonderes ausgedacht: Man zahlt 15 Euro Eintritt, bekommt dafür ein Thermocape und einen Cocktail und kann sich dann in einem frostigen Raum aufhalten. Samt Eisskulpturen von Julius Cäsar und dem Kolosseum. Es läuft, abends ist der Laden immer voll.