Markus Söder hat den Kirchen in Deutschland so richtig die Meinung gesagt. Als christsozialer Heimatminister ist man schließlich, der Name sagt es, nicht nur fürs Soziale zuständig sondern auch fürs Christliche in Verbindung mit Heimat. Das sind im Wesentlichen die Bereiche Gesamtsituation und dahoam. Söder ist sehr besorgt: 

In vielen deutschen Städten sind Christen nicht mehr die Mehrheit.

Das ist natürlich eine große Katastrophe, sollten in deutschen Städten künftig nicht mehr Christen leben sondern Menschen. Oder - Gott bewahre – Bürger! 

Neugierig fragt man sich, um welche Städte es sich hier handelt, aber leider haben die Kollegen nicht nachgefragt. Fakt ist, hier muss die Kirche ihre Arbeit machen. Wieder sexy werden. Die ganze Palette zeitgenössischer Missionierung auffahren. Blockflöte beim Bischof statt Bocki an der Tanke. Bibel statt Bieber. Gewiss, es tut weh, aber es beinhaltet vor allem Busreisen ins durchsäkularisierte Abendland im Osten. Abendmahl in Anklam, Psalmen in Pasewalk, einfach mal machen und dann werden in vielen deutschen Städten auch wieder mehr Christen als Vegetarier leben. 

Markus Söder hat eine Weisung erteilt. Vielleicht ist Weisung nicht das richtige Wort, sondern Losung? Mahnung, Gebot?

Es wäre für die Kirchen besser, sie würden sich stärker auf den Glauben konzentrieren und weniger Politik machen.

Klingt wie eine geflüsterte Drohung, man erwartet fast, dass der Satz weitergeht: "... nicht, dass Ihre schwere Kirchenglocke demnächst locker wird!" 

Man muss hier einfach die Empfindlichkeiten verstehen. Politik auf der Grundlage von Christsein ist für Markus Söder wenig hilfreich. Denn das würde Mitmenschlichkeit als Kompass für politisches Handeln enthalten und nicht Mauern und Zäune als Bollwerk gegen Flüchtlinge. Klar, dass die Kirchen da Sturm laufen und mahnen. Aber, mein Gott, bei der CSU handelt es sich um Christsoziale. Nicht um soziale Christen. Bisschen lesen kann nicht schaden!

Bloß weil die Kirche in Deutschland zu Tausenden mit Schulen und Kindergärten den sozialen Betrieb am Laufen hält, muss sie nicht auch noch beanspruchen, politisch mitreden zu dürfen. Da könnte ja jeder kommen und versuchen Politik zu machen. Die Autokonzerne, die Pharmaindustrie, die Waffenlobbyisten, Himmelherrschaft, muss man in dieser Bananenrepublik wirklich alles erklären? Wer kommt als nächstes und will der Politik ins Handwerk pfuschen? Amnesty International, Foodwatch? Es reicht, wenn die reingucken, wie viel Pferd in Gummibärchen drinstecken und wie viel Folter in den Gefängnissen, aber bei Politik mitmachen? Also irgendwo muss auch mal Schluss sein, lasst mal die Kirche im Dorf!