Afghanistan ist ein durch mehrere Kriege verwüstetes Land, das politisch instabil ist. Die katastrophale Sicherheitslage ist der Grund dafür, weshalb der ARD aus dem indischen Neu-Delhi über Afghanistan berichtet. Zwischen beiden Ländern liegt noch Pakistan. Auch deshalb ist die Nachrichtenlage dünn. Und wenn uns was erreicht, hört es sich so an:

Kundus-Stadt, Nordafghanistan, 3. Oktober:
Mehrere Zehntausend Menschen fliehen.

Provinz Kundus, 3. November:
Bei einem Luftangriff sterben mindestens 30 Zivilisten.

Masar-i-Scharif, Nordafghanistan, 10. November:
Angriff der Taliban auf das deutsche Generalkonsulat. Mindestens vier afghanische Zivilisten sterben.

Bagram, in der Nähe von Kabul, 12. November:
Ein Selbstmordattentäter reißt auf dem US-Stützpunkt vier Soldaten mit in den Tod.
In der Hauptstadt Kabul explodieren immer wieder Bomben.

Die Vorstellung, dass man in Afghanistan ein sicheres Leben führen kann, ist absurd. Trotzdem werden afghanische Flüchtlinge aus Deutschland abgeschoben. In einem Interview, das der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Sender MDR gibt, begründet er das wie folgt:

Herrmann: "Die Lage in Afghanistan ist sicherlich nicht einfach. Nicht von ungefähr haben wir dort Bundeswehrsoldaten und Soldaten von vielen anderen Ländern (…) In einigen Regionen Afghanistans ist es auf jeden Fall zumutbar, dass man dorthin zurückkehrt. (…)"

Moderatorin: "Können Sie Gebiete nennen, wo es sicher genug ist?"

Herrmann: "Ich glaube, dass die Gegend von Masar-i-Scharif als relativ sicher gelten kann. (…) Wir muten unseren eigenen Soldaten zu, dort im Einsatz zu sein, dann ist auch es zumutbar, dass Menschen (...) in ihre Heimat dorthin zurückkehren."

Moderatorin: Das Auswärtige Amt warnt deutsche Zivilisten dringend vor einer Reise nach Afghanistan."

Herrmann: "Es ist ein Unterschied, ob ich Deutsche warne, dort Urlaub zu machen, oder ob es jemandem, der aus diesem Land stammt, (...) zumutbar ist, dorthin zurückzukehren."

Man hört das und ist wirklich baff! Dann beginnt man zu sortieren, um dem Innenminister des Freistaates Bayern folgen zu können.