Donald Trump ist ein Überbleibsel eines sterbenden Amerikas. Nun wird ihm die Zukunft des Landes gehören. Seine Wahl wird die Ära Obamas zur Altlast degradieren – die Errungenschaften der letzten Jahre, die Gesundheitsreform, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, sie werden das Jahr 2017 nicht überdauern.

Man kann auf der Suche nach Ursachen tief in die Seele der USA starren: die zwei Amerikas, die Rassenfrage, das Zweiparteiensystem, das Christentum. Aber in Wahrheit ist Donald Trump ein europäischer Import: Nicht umsonst machte "Mr. Brexit" Nigel Farage für ihn Wahlkampf, nicht umsonst schwärmte er genauso für Wladmir Putin wie die Wähler der AfD. Er hat sich von den Rechtspopulisten Europas inspirieren lassen und hat deren Krawallstil kopiert.

Jahrzehntelang war American exceptionalism ein Glaubensartikel der Konservativen gewesen. Dieses Jahr vertraten ihn die Linken, allen voran Michelle Obama: Mochten andere Länder vor dem Angriff faschistischer Gruppierungen kapitulieren, die USA würden es der Welt vormachen, wie ein moderner, multikultureller Staat mit dieser Bedrohung fertig wird. Donald Trump hat Amerika schon allein durch die Tatsache seiner Wahl degradiert. Er hat das Land vom multikulturellen Leuchtturm in eine weitere abgeschottete Insel weißer Menschen verwandelt, die vor ihrem eigenen Schatten Angst haben.

Ein müder Schatten

Die Idee der Ausnahme USA, des Leuchtturms, stand schon bei der Gründung der Nation Pate. "We hold these truths to be self-evident", beginnt die Unabhängigkeitserklärung. Jeder, der den Gedanken nachvollzieht, ob er nun in Australien lebt oder in der Mongolei, kann seine Wahrheit erkennen. Aber drauf gekommen waren eben die Amerikaner. Die Idee von amerikanischer Strahlkraft ist eins mit den Ideen der Aufklärung, die von Europa in die Kolonien kamen. Ideen wie universelle Werte oder das menschliche Streben nach Wahrheit.

Trumps Wahl bedeutet das Ende dieses Projekts. Die USA sind nicht mehr Leuchtturm, sondern ein bis auf die Zähne bewaffneter müder Schatten fern flackernden Feuers. Von Vorbildcharakter, von Nachahmbarkeit bleibt keine Spur. Ein trotziges Einigeln, eine Weigerung an die Welt. Der Nationalismus der Abschottung, dem allein seltsamerweise keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen, der tumbe Tribalismus, es sind längst überwunden geglaubte Impulse, die an den Grundfesten der Aufklärung rütteln.

Die USA haben die Werte der Aufklärung – Humanismus, ein optimistisches Menschenbild, Menschenwürde und Bürgerrechte – hochgehalten, als Europa in den dreißiger Jahren von ihnen abwich. Es hat den Humanismus als Waffe im Kampf gegen den Faschismus, seine Universalität als Gegengift zum Nationalismus, eingesetzt und mit ihrem Re-Import nach dem Zweiten Weltkrieg zur Neugründung des europäischen Projekts beigetragen. Heute sind diese Werte in Europa einmal mehr in Bedrängnis, aber der Blick über den Atlantik wird ab Januar keine Vergewisserung mehr bringen.

Würde ist für Trump ein extrem elastischer Begriff. Bei seinen Anhängern respektiert er sie, bei seinen Gegnern ist sie ihm im Weg. Überhaupt scheint ihm jeglicher Universalismus fremd, die einen sollen Rechte haben, die die anderen nicht verdienen. Ob er sich damit gegen das doch universalistische amerikanische Verfassungssystem durchsetzt, sei einmal dahingestellt: ein universalistisches Denkmuster, nach dem Werte wie Würde allen gehören, unabhängig von deren Situation, scheint ihm schlicht fremd, und eben das dürfte seine Wähler begeistert haben.

Alles soll zugrunde gehen

Man muss dazusagen: Diese Wahl ist kein Triumph der Gegenaufklärung, des Klerikalen oder des Wertekonservativen. Trump huldigt keinen Werten, hat mit Religion nichts am Hut. Billiges Entertainment, taumelndes Wir-Gefühl und eine geradezu mephistophelische Lust an der Zerstörung treibt seine Anhänger an. Alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. An Wahrheit hat Trump kein Interesse, die Wahl war für ihn eine Mauschelei, bis er wider Erwarten gewann. Das fällt seinen Fans natürlich auch auf, aber auch sie scheinen in einer postfaktischen Welt zu leben, in der einzig das Gefühl noch zählt: die Wut, das Dazugehören, die Feindschaft.

An eine Mauer an der Grenze glauben die wenigsten seiner Wähler. Dass er Jobs zurückbringt, mit irgendwelchen Deals mit China, auch nicht. Trump ist vielmehr ihr Garant, dass sie jetzt (wieder) Amerika sind. Junge Menschen haben Trumps Namen sozusagen als Beleidigung verwendet, als sie einfach Schwarzen oder Latinos "Trump, Trump, Trump" hinterherbrüllten. Es gab begeisterte Menschenschlangen, die aussahen, als gingen sie zu einem Rockkonzert. Trump ist ein Talisman, ein leerer Signifikant.

Donald Trump, ein Präsident der Abschottung Die US-Amerikaner haben sich entschieden: Donald Trump wird wohl am 20. Januar 2017 Präsident der Vereinigten Staaten. Ein Szenario, was passieren könnte....