28. Dezember: Debbie Reynolds

Ihr Aufstieg war steil: Nach nur wenigen Statisten- und Nebenrollen bekam Debbie Reynolds 1952 die Hauptrolle in dem Musicalklassiker Singin' in the Rain. Ihr Partner Gene Kelly hatte Bedenken, da die 19-Jährige kaum Tanzerfahrung hatte, doch Reynolds biss sich durch und eroberte die Herzen der Kinozuschauer. An diesen Erfolg reichte sie im Laufe ihrer Karriere zwar nicht mehr ganz heran, dennoch war sie bis ins hohe Alter eine viel beschäftigte Schauspielerin. Für ihre Rolle in dem Musical The Unsinkable Molly Brown wurde sie 1965 für den Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert.

Ihr Privatleben war aufreibend und fand unter ständiger Beobachtung der Klatschpresse statt. Der Vater ihrer beiden Kinder, der Entertainer Eddie Fisher, verließ die Familie für Elizabeth Taylor und zahlte keine Alimente. Auch ihre beiden weiteren Ehemänner hätten sie finanziell ausgenommen, beklagte Reynolds später. Um ihre Schulden begleichen zu können, tourte sie in den siebziger Jahren unablässig mit ihrer Musikshow. Einen Tag nach dem überraschenden Tod ihrer Tochter Carrie Fisher erlitt Reynolds einen Schlaganfall. Sie starb im Alter von 84 Jahren in Los Angeles. 


27. Dezember: Hans Tietmeyer

Als unerbittlicher deutscher Sparer macht man sich keine Freunde. Das weiß Finanzminister Wolfgang Schäuble und das war auch Hans Tietmeyer klar, der von 1993 bis 1999 Präsident der Deutschen Bundesbank war. "Stabilitätsfanatiker", "Hohepriester der Mark" – solche Zuschreibungen musste er sich gefallen lassen. Seine Karriere führte ihn vom Wirtschaftsministerium über das Amt des Finanzstaatssekretärs und des wichtigen Ratgebers für Bundeskanzler Helmut Kohl an die Spitze der Bundesbank. Tietmeyer kämpfte für eine Zentralbank, die unabhängig von der Politik die Stabilität der Währung garantiert.

Deutschland habe bei einer Währungsunion "viel zu verlieren", sagte Tietmeyer 1990, "nämlich eine der erfolgreichsten und besten Geldverfassungen der Welt". Trotzdem half er, dem Euro den Weg zu ebnen und anfängliche Turbulenzen abzufangen. Noch 2008 erklärte er die gemeinsame europäische Währung zum Erfolg. Was er wohl heute zur Lage der europäischen Währung und Europas sagen würde?

Der Ökonom Tietmeyer steht für die alte, heute oftmals verklärte Bundesrepublik: Er stammt aus einem westfälischen Dorf, einem kirchlich orientierten Beamtenhaushalt mit elf Kindern, in dem das Geld knapp war. In Porträts wird er Marktwirtschaftler genannt, konservativ, katholisch, Workaholic. Der Prediger eines seelenlosen Kapitalismus aber war er nicht. Wettbewerbspolitik, Sozialpolitik, Ordnungspolitik – auch das hatte er im Sinn. Mit 85 Jahren hat er sich nun von einem Europa verabschiedet, das über diese Balance wieder diskutieren muss. Lesen Sie hier unseren Nachruf



Carrie Fisher am Set von "Das Imperium schlägt zurück" © Lucasfilm/Sunset Boulevard/Corbis via Getty Images

27. Dezember: Carrie Fisher

Sie war sehr hübsch, sehr schelmisch, vor allem aber: Prinzessin Leia. Carrie Fischer war erst 20 Jahre alt, als sie unter George Lucas den ersten Teil des Blockbuster-Universums Star Wars drehte und in der Rolle der Leia Organa weltberühmt wurde. Im Gegensatz zu ihrem Filmpartner Harrison Ford schaffte es Fisher später kaum, sich vom Image dieser Sternenprinzessin zu lösen. Sie schauspielerte weiterhin und bewies zum Beispiel in ihrer Nebenrolle in Harry und Sally ihr komödiantisches Talent, doch vor allem arbeitete sie mit Texten. Sie schrieb etliche eigene Bücher und überarbeitete Drehbücher wie jene zu Sister Act und The Wedding Singer. Im kommenden Jahr wird sie ein letztes Mal bei uns im Kino zu sehen sein: dann wieder als Prinzessin Leia in Episode VIII. Lesen Sie hier unseren Nachruf



27. Dezember: Vera Rubin

Dunkle Materie ist für das Universum wie Luft für den Menschen: allgegenwärtig, notwendig, unsichtbar, aber zu bemerken. Und damit eines der großen Mysterien des Alls. Erstmals nachgewiesen wurde Dunkle Materie von der Astronomin Vera Rubin in den siebziger Jahren. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem wurde sie 1981 in die US-Akademie der Wissenschaften gewählt – als zweite Frau überhaupt. Und der damalige US-Präsident Bill Clinton verlieh ihr 1993 die National Medal of Science.

Ihre bedeutendste Entdeckung gelang Rubin, als sie mit ihrem Kollegen Kent Ford die Andromeda-Galaxie am Carnegie Institution of Washington erforschte. Der Sternhaufen verhielt sich nicht, wie er sollte: Die Sterne im Zentrum der Galaxie waren genauso schnell wie am Rande – und nicht langsamer wie angenommen. Daraus leitete Vera Rubin die Existenz der unsichtbaren Masse ab. Heute gehen Physiker davon aus, dass diese 90 Prozent des Universums ausmacht. Die Theorie der Dunklen Materie war schon 1933 von dem Schweizer Astrophysiker Fritz Zwicky vorgestellt worden, erst die Amerikanerin konnte jedoch deren Existenz bestätigen. Rubin starb im Alter von 88 Jahren in der Gegend von Princeton im US-Bundesstaat New Jersey.



George Michael bei einem Auftritt in Wien 2012 © Heinz-Peter Bader/Reuters

25. Dezember: George Michael

Er war ein Superstar und wurde dennoch oft unterschätzt. Nach drei Jahrzehnten im Popgeschäft galt George Michael vielen als harmloser Großgestensänger, als Urheber des nervigsten Weihnachtslieds aller Zeiten, auch das Image des virilen Draufgängers aus Wham!-Tagen haftete ihm bis zum Schluss an. Dass er als Songschreiber über ein begnadetes Musikverständnis verfügte – Careless Whisper schrieb er mit 17 Jahren – und auch noch fähig war, für unterschiedlichste Gefühlslagen die perfekte Stimme zu finden, sind seltene Qualitäten im hellen Scheinwerferlicht. 

George Michael haderte schon früh mit seinem Ruhm und der öffentlichen Beobachtung, der er seit 1984 ausgesetzt war. Nicht zuletzt, weil er fürchten musste, seine Homosexualität könne seiner Karriere schaden. 1998, nachdem alle Welt von der US-amerikanischen Polizei erfahren hatte, dass Michael Männer liebte, drehte er den Spieß um: Im Song Outside thematisierte der Brite die Tabuisierung von gleichgeschlechtlichem Sex. Seine homoerotische Parodie wurde ein Riesenerfolg, zumindest in Europa. In den letzten Jahren war es ruhig um ihn geworden. Immer wieder war die Rede davon, er käme von den Drogen nicht los. Seinen letzten großen Auftritt hatte er 2012 bei der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele in London. Wie es aus seinem privaten Umfeld hieß, sei George Michael in der Nacht des Heiligen Abends im Alter von 53 Jahren entschlafen. Lesen Sie hier unseren Nachruf



Zsa Zsa Gabor 1952 in dem Film "Moulin Rouge" © Archive Photos/Getty Images

18. Dezember: Zsa Zsa Gabor

Eine Expertin im Heiraten, nebenbei auch noch Schauspielerin: Zsa Zsa Gabor war berühmt fürs Berühmtsein. Diese Prominenz hatte sie vor allem durch ihre zahlreichen Ehen erreicht, von denen jede sie auf zauberhafte Weise wohlhabender machte als zuvor. Als junge Miss Ungarn hatte sie in Wien Musicalgesang gelernt und war Anfang der vierziger Jahre nach Hollywood übergesiedelt. Zack – Hochzeit mit Conrad Hilton, dem Hotelmagnaten.

Die reichen Ehemänner gaben sich die Klinke in die Hand, Gabor spielte insgesamt mehr als 80 Filmrollen, nichts von Weltqualität, aber dank ihrer Ausstrahlung, den zahlreichen Affären und Allüren sowie ihrem Humor wurde sie zum Liebling der Klatschmedien. Acht bis neun Ehen sind überliefert. Ihre Techtelmechtel mit Sean Connery und Richard Burton waren einst die heißesten Themen unter der Trockenhaube. Die letzten 30 Jahre ihres Lebens verbrachte Gabor mit Hans-Robert Lichtenberg, der sich einst den Titel Prinz Frédéric von Anhalt gekauft hatte. Sie schienen sich gut zu verstehen. Zsa Zsa Gabor starb nur wenige Wochen vor ihrem 100. Geburtstag an den Folgen eines Herzinfarkts. Lesen Sie hier unseren Nachruf



Hildegard Hamm-Brücher an ihrem 90. Geburtstag © Peter Kneffel/dpa

9. Dezember: Hildegard Hamm-Brücher

Sie war die Grande Dame der FDP, eine leidenschaftliche Sozialliberale und Kämpferin für die Demokratie. Ihr Thema war lange Zeit die Bildungspolitik, in der sie sich als Abgeordnete in Bayern, im Bundestag und als Staatssekretärin in Hessen und im Bund früh für Reformen und eine Demokratisierung einsetzte. Vor allem aber kämpfte Hildegard Hamm-Brücher in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik gegen reaktionäre und restaurative Kräfte. In ihren letzten Lebensjahren versuchte sie, die zunehmende Entfremdung zwischen dem Volk und den Politikern und demokratischen Institutionen zu überwinden.

In die Politik (und die FDP) geholt hatte sie 1946 der spätere erste Bundespräsident Theodor Heuss. Die sozialliberale Koalition von 1969 bis 1982 empfand sie als ihre "beste, befriedigendste und erfolgreichste Zeit". Die Wende ihrer Partei von der SPD zur CDU durch ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Kanzler Helmut Schmidt geißelte sie in einer denkwürdigen Rede im Bundestag. Schmidt ohne das Votum der Wähler zu stürzen, habe "das Odium des verletzten demokratischen Anstands". Es kostete sie alle politische Ämter.

1994 nominierte die FDP sie als (chancenlose) Bundespräsidenten-Kandidatin. 2002 verließ Hamm-Brücher die Partei, aus Protest gegen antisemitische Umtriebe des stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Möllemann, den der damalige Vorsitzende Guido Westerwelle ihrer Meinung nach zu lange gewähren ließ. Detlef Esslinger schrieb in der Süddeutschen Zeitung, Hamm-Brücher sei die wohl beste Bundespräsidentin gewesen, die Deutschland nie gehabt habe. Sie starb mit 95 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf