Wir verbrachten dieses Jahr Weihnachten mit der Familie meines Mannes im Mittleren Westen, genauer in Milwaukee, Wisconsin. Die Häuser waren bunt geschmückt. Meterhoher Schnee verdeckte die Landschaft. Aus den Vorgärten schauten hier und da ein paar "Wir unterstützen die Polizei"-Schilder hervor. Die Nachbarn meiner Schwiegereltern wählten Trump, wir redeten nicht mit ihnen, ihre Rollläden waren unten.

Ana Marija Pasic, geboren 1984 in Calw, studierte Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften an der Universität Siegen und Angewandte Literaturwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Sie lebt als freie Autorin in Brooklyn, New York. Sie ist Gastautorin von "10 nach 8". © privat


Wisconsin gehört zu einem der drei Staaten, die Trumps Einzug in das Weiße Haus ermöglichten. Und Segregation ist in Milwaukee so stark wie in keiner anderen Stadt in den USA. Irgendwie schienen Geschenke diesmal besonders trivial. Wir entschieden uns für Spenden an Planned Parenthood. Die Non-Profit-Organisation, die von den Republikanern als moralische Teufelsfabrik angesehen wird, stellt landesweit Dienste und Beratung im Bereich Verhütung und Abtreibung zur Verfügung und ist darüber hinaus einer der wichtigsten Gesundheitsdienstanbieter für Frauen im ganzen Land. Denn machen wir uns nichts vor, es sind die Frauen in Amerika, die von Armut, Arbeitslosigkeit oder nur Lohnkürzungen am meisten betroffen sind, egal welcher Herkunft.

Plötzlich Stille

Seit Trumps Wahlsieg haben über 300.000 Leute Geld an Planned Parenthood gespendet. Dabei waren um die 82.000 der eingegangenen Spenden im Namen des vehementen Abtreibungsgegners und bald Vizepräsidenten Mike Pence ausgestellt. Ein kleiner Scherz der Organisation, die auf ihrer Website anbietet, die Spenden in seinem Namen zu vergeben. Der ehemalige Gouverneur von Indiana wird nun mit Dankeskarten zugeschüttet und ist gar nicht erfreut.

Wir sitzen also beim Familienfest zusammen, mein Mann vergibt die Gutscheine und erhebt sein Glas auf eine bessere Zukunft, da wird es ganz still im Raum. Und wir sind verunsichert. Scheinbar kommt unsere kleine Überraschung in der vorwiegend irisch-katholischen Familie nicht ganz so gut an. Und ich fange langsam an, mich zu fragen, in was für einem Land ich gelandet bin.

Gemeinsam marschieren

Ich bin keine US-Bürgerin, sondern eine Immigrantin. Obschon ich nicht wählen kann, lebe ich hier als Frau und Mutter. Donald Trumps Sieg in meiner Wahlheimat wird große Folgen für mich und die Zukunft meiner Familie haben. Der zukünftige Präsident hat Immigranten den Krieg angekündigt und sein Blick auf Frauen ist mehr als mittelalterlich. Eine der schlimmsten Drohungen, die Trump bald realisieren könnte, ist die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Einschränkung oder gar vollkommene Abschaffung im Bereich der Reproduktionsmedizin.

Am 21. Januar findet in D. C., einen Tag nach Donald Trumps Inauguration, der Women's March on Washington statt. Angefangen hatte es mit einem Post der Rentnerin Theresa Shook. Die in Hawaii lebende ehemalige Anwältin fragte auf ihrer Facebookseite: "Was wäre, wenn sich am Tag nach der Amtseinführung alle Frauen Amerikas zusammenschließen und gemeinsam marschieren würden?" Daraufhin richtete sie eine Eventseite ein und mittlerweile gibt es schon über 150.000 Anmeldungen. Insgesamt werden um die 200.000 Demonstrantinnen erwartet.

Der Women’s March will aber nicht ausschließlich als Anti-Trump-Demonstration verstanden werden. Es geht auch nicht in erster Linie um Frauenrechte oder Abtreibung und Verhütung, auch wenn Planned Parenthood einer der Partner ist. Vielmehr geht es um die Herausforderungen, mit denen Frauen zu kämpfen haben, die sich mit denjenigen der Afroamerikaner, der Immigranten und der LGBT-Community überschneiden. Ironischerweise hat Trumps Kandidatur viele Frauen dazu motiviert, aktiv zu werden, die sich vorher nie wirklich öffentlich engagiert haben.