Die Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das berichten Kommunikationsforscher der Universität Mainz in der ZEIT. Sie beziehen sich auf eine Studie, die in ihrem Auftrag im Oktober und November 2016 durchgeführt wurde. Demnach fänden heute 40 Prozent der Deutschen, dass man den Medien in wichtigen Fragen eher oder voll und ganz vertrauen könne. 2008 hatte der Aussage nur knapp jeder Dritte zugestimmt.

Die Forscher widersprechen damit nicht zwangsläufig anderen Studien, die eine Abnahme des Medienvertrauens festgestellt hatten. Denn den Mainzer Wissenschaftlern zufolge gibt es zwar mehr Menschen, die Medien vertrauten, aber gleichzeitig auch mehr, die das nicht täten. Laut ihrer Studie sagt etwa jeder vierte Deutsche, dass man den Medien in wichtigen Fragen eher nicht oder überhaupt nicht vertrauen könne. 2008 waren das noch neun Prozent gewesen.  

Abgenommen habe stattdessen die Zahl derer, die den Medien nur teils vertrauten. Oliver Quiring, einer der Mainzer Forscher und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, sagt dazu: "Große Teile der Bevölkerung haben sich klarer positioniert." Vielleicht werde einigen Bürgern nun stärker bewusst, was man im Vergleich zu anderen Staaten an den Medien und der Pressefreiheit in Deutschland habe.

Zugleich warnen die Mainzer Medienwissenschaftler davor, die Bedeutung von sozialen Medien zu überschätzen. Ihrer Umfrage zufolge nutzt nur eine kleine Minderheit der Deutschen Facebook oder Twitter für politische Meinungsäußerungen. Mehr als 90 Prozent der Deutschen nutzten diese Netzwerke selten oder nie dafür.

Nötig sei eine gezielte Medienpädagogik, sagen die Forscher der ZEIT. Quiring fordert, dass schon in der Schule gelehrt werden solle, wie guter Journalismus funktioniert und warum es beispielsweise etwas anderes sei, ob eine Information in der Zeitung steht oder in einem privaten Blog.