In Deutschlands Krankenhäusern könnte es bald zu einem umfassenden Streik des Pflegepersonals kommen. Die Gewerkschaft Ver.di fordert mehr Personal und Entlastung. Schon jetzt sind die Krankenhäuser überlastet, für die Patienten bleibt kaum Zeit. Laut einer aktuellen Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) fühlen sich mehr als 90 Prozent der Pflegekräfte während der Arbeit gehetzt. Durch die alternde Gesellschaft beschleunigt sich dieser Prozess.

Japan hat eine Antwort auf den demografischen Wandel gefunden: Roboter. In Pflege- und Seniorenheimen kommen schon heute Tausende Roboter zum Einsatz, Geh- und Aufsteh-Assistenten, künstliche Kuschelrobben und futuristische Powerhandschuhe, die Senioren und Behinderten zu mehr Bewegung verhelfen. Es könnte nur der Anfang sein.

Die Automatisierung schreitet rasant voran. Die US-Anwaltskanzlei Baker & Hostetler hat einen Robo-Anwalt eingestellt, der juristische Fachliteratur auswertet und Gesetzesänderungen beobachtet. Der japanische Lebensversicherer Fukoku Mutual Life Insurance plant, 30 Prozent seiner Mitarbeiter in der Abteilung Schadensbemessung durch eine künstliche Intelligenz zu ersetzen. Und Apples Auftragsfertiger Foxconn kündigte jüngst an, dass Fabriken in China künftig komplett automatisiert sowie alle menschlichen Mitarbeiter durch Roboter ersetzt werden.

Automationsangst als globaler Effekt

Das Versprechen der Automatisierung, die Menschheit vom Zwang der Lohnarbeit zu befreien und ihr ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, "heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe werden", wie der junge Marx träumte, hat sich in ein Menetekel verwandelt. Nehmen uns Maschinen die Arbeit weg?, sind zahllose Berichte überschrieben. Der Economist umriss in ungewohntem Alarmismus eine neue "automation angst". Die deutsch grundierte Angst ist zu einem globalen Schreckgespenst geworden.

In seinem Aufsatz über die Wirtschaftlichen Möglichkeiten für unsere Enkelkinder aus dem Jahr 1930 schrieb John Maynard Keynes, drei Stunden Arbeit reichten aus, um den "alten Adam in uns zu befriedigen, also das Bedürfnis nach etwas Arbeit, selbst wenn die technologische Entwicklung in den nächsten 100 Jahren (also bis 2030) Erwerbsarbeit überflüssig machen würde". Keynes sah aber auch das Problem, dass "die Menschheit ihres traditionellen Zwecks beraubt" würde. Arbeit ist die zentrale Sinnstiftungsinstanz der Moderne. Man fragt sich, was mit deren Disruption gewonnen ist. Wohin soll das führen? Was ist die Finalität der Entwicklung? Eine vollautomatische Gesellschaft, in der Maschinen unseren Wohlstand erwirtschaften und der Mensch nur noch konsumiert? Eine Welt, in der Roboternannys unsere Workbots warten und das automatisierte Selbsttracking aller Aktivitäten zum Alltag gehört, wie Kevin Kelly 2012 im Technikmagazin Wired schrieb?

Die Debatte um die Automatisierung wird meist ökonomistisch verengt geführt. Die einen Experten sagen, die Automatisierung werde die Hälfte aller Arbeitsplätze vernichten. Die anderen entgegnen nüchtern, der Saldo falle am Ende sogar positiv aus. Doch die Frage ist, wer die Produkte von Robotern kaufen wird oder deren Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Legendär ist die Anekdote aus den 1950er Jahren, als der Gewerkschaftsführer Walter Reuther eine der vollautomatischen Anlagen der General-Motors-Werke besuchte. Der Gastgeber, Henry Ford II, fragte den Gewerkschaftsführer spitz, indem er auf die menschenleere Halle zeigte: "Walter, wie willst du diese Roboter dazu bringen, dass sie deine Beiträge zahlen?" Worauf Reuthers kühl konterte: "Henry, wie willst du die Roboter dazu bringen, dass sie deine Autos kaufen?"

Die Technik muss den Menschen dienen, lautet das Diktum, das Politiker gern mantrahaft beschwören.  Doch spätestens, seitdem Menschen von Algorithmen gesteuert werden und wie Maschinen operieren (etwa die Uber-Fahrer oder Lageristen in Amazons Logistikzentren), ist dieser Glaubenssatz erschüttert worden. Die Frage ist: Dient die Technik wirklich allen?