Zack – mit einem Tritt ist der Außenspiegel des fetten Autos ab. Die Besitzerin hatte Maggie (Maria Dragus) die Parklücke weggeschnappt. "Jetzt passt’s!", ruft die Parkplatzwächterin der perplexen jungen Frau zu. Nach demselben Prinzip funktioniert auch Jakob Lass’ zweiter Spielfilm Tiger Girl. Was nicht passt, wird passend gemacht. Oder in den Worten seiner Titelfigur: "Du muss einfach sagen, was du willst und dann kriegst du es auch!"

Maggie ist gerade durch die Polizeiprüfung gerasselt, die Zähne zusammenbeißen ist nicht ihr Ding. Das muss sie erst von Tiger (Ella Rumpf) lernen, die unvermittelt in ihr Leben platzt. Was genau das Punkmädchen an Maggie fasziniert, wird nie ganz klar, auch Tigers Hausbesetzerfreunde kapieren ihre Auffassung von Toleranz und Solidarität nicht. Trotzdem nimmt sie sich Maggies an, gibt ihr den Namen Vanilla the Killer und erklärt ihr ein paar Regeln über das Leben aus der Sicht der Menschen, die vom gesellschaftlichen Konsens ausgeschlossen sind – beziehungsweise diesen aufgekündigt haben.

Kino - "Tiger Girl" (Trailer) © Foto: Constantinfilm

Maggie wird zu Vanilla, Tiger und Vanilla werden unzertrennlich. Leute abzocken, das Bett teilen, andere aus Spaß aufmischen – der Baseballschläger wird Vanillas bester Freund. Irgendwann erkennt Tiger, was für ein Monster sie geschaffen hat.

Viel Wucht und noch mehr Pose

Tiger Girl besitzt von der Titelsequenz an eine Wucht, wie man sie sich im deutschen Kino öfter wünscht. "Martial Arthouse" nennt Lass seinen Film, neue Genres braucht das Land. Aber ausgefeilte Kampfchoreografien gibt es in Tiger Girl nicht, es herrscht – verbal und formal – das Diktat des Baseballschlägers. Die Haltung ist bewundernswert, als Stil wirkt das auf Dauer allerdings etwas ermüdend.

Die Figuren sind weniger Charaktere als Typen – Tiger, Maggie, ihre Kollegen aus der Ausbildung. Nach der x-ten Verhaltensauffälligkeit verkommt die zwanghafte Nonkonformität zur bloßen Pose.

"Martial Arthouse" bedeutet in letzter Konsequenz, dass die Improvisationstechniken, der wilde Gestus der Unberechenbarkeit, den Lass in seinem furiosen, leidenschaftlichen Debüt Love Steaks kultivierte, auf das Geld von Martin Moszkowicz und Oliver Berben treffen, die Tiger Girl für Constantin Film produziert haben. Nur lässt sich ein Lebensgefühl nicht mit Posen einfangen, dafür bedarf es auch einer Beobachtungsgabe. Was bleibt, ist ein etwas kruder Kommentar zur Zeit. In die Fresse.