Jemand musste Donald T. verleumdet haben. Er sah sich einfach zu wenig gewürdigt. Also rief er die richtigen Leute an, etwa die damalige People-Redakteurin Sue Carswell. Er erklärte ihr, wie großartig die Geschäfte laufen und dass er gerade mit dem Supermodel Carla Bruni ausgehe. Nur meldete er sich nicht mit seinem echten Namen, sondern gab sich als "John Miller" aus, einem vermeintlichen Mitarbeiter seiner selbst.

Das hatte Methode. Zwischen den Jahren 1980 und 1991, berichtete Donald Trumps Biograf Michael D'Antonio bereits vergangenes Jahr im Fortune-Magazine, nutzte der heutige US-Präsident, der nun gegen "fake news" wettert und den journalistischen Quellenschutz abschaffen will, falsche Identitäten, um sich selbst zu bejubeln und Gerüchte zu streuen. Zunächst "John Baron", später dann "John Miller".

Obwohl Trump 1990 in einem Gerichtsprozess unter Eid zugegeben hatte, den Namen "John Baron" verwendet zu haben und Sue Carswell "John Miller" beim 1991 aufgezeichneten Gespräch klar als Trump identifizierte, bestritt er, irgendetwas damit zu tun zu haben. Es erübrigt sich fast zu sagen, dass Carla Bruni, die spätere Frau von Nicolas Sarkozy, dem vermeintlichen Dating widersprach und Trump einen "Verrückten" nannte. Ebenso waren die Geschäfte des Immobilienunternehmers damals keineswegs gut –  sein Casino in Atlantic City ging gerade pleite, und mit seiner Fluglinie lief es auch nicht blendend.

Es ist nur eine von unzähligen Episoden, die illustriert, dass Donald Trump einen Hang zur Aufschneiderei hat. Er würde dem grundsätzlich gar nicht widersprechen. In seinem 1987 erschienen Bestseller The Art of the Deal bemerkte er beispielsweise: "Ich nähre die Fantasien der Menschen." Er selbst nannte das: "truthful hyperbole", wahrhaftige Übertreibung.

Bleibt die Frage: Wie konnte aus einem Selbstdarsteller und notorischen Lügner der mächtigste Mann der Welt werden? Zunächst kann ein medienhistorischer Blick helfen. Trumps Aufstieg zum US-Präsidenten ist auch mit dem Siegeszug des konservativen Talk-Radios verbunden. Das mag komisch klingen, da Trump eigentlich ein Mann des Fernsehens ist: Einer, der viel im TV auftrat, etwa als Gastgeber der Reality-Show The Apprentice, der aber auch selbst viel Fernsehen schaut, mutmaßlich zu viel, wie Mitarbeiter des Weißen Hauses bereits nach den ersten Amtstagen an die New York Times durchsteckten.

Aggressive Meinungsmacher

Für das Phänomen Trump, insbesondere für seinen Umgang mit den Medien, spielt das konservative Talk-Radio indirekt dennoch eine entscheidende Rolle. Dessen Boom begann in den USA relativ genau im Jahr 1987. Unter Ronald Reagan hatte die Federal Communications Commission die seit 1949 bestehende Fairness-Doktrin abgeschafft, die Radiostationen bis dahin zu einer ausgewogenen Berichterstattung verpflichtet hatte, was konkret etwa bedeutete, dass kontroversen Meinungsbeiträgen eine konkurrierende Sichtweise zur Seite gestellt werden musste.

In Kombination mit der späteren Deregulierung der Senderlandschaft durch den Telecommunications Act von 1996 avancierte eine Vielzahl rechter Moderatoren zu nationalen Medienstars. Obschon linke Talk-Radios entstanden, erreichten diese nie die Popularität ihrer Kontrahenten. Es waren vor allem aggressive Meinungsmacher wie Rush Limbaugh, Glenn Beck oder Sean Hannity, die mittlerweile meist auch im Fernsehen oder Netz unterwegs sind, welche landesweit ein Millionenpublikum beschallten.