Das perfekte Leben findet man auf der Instagram-Seite von Ivanka Trump. Als hätten Cosmopolitan, Vogue, Schöner Wohnen und Nido ein gemeinsames Prestigeprojekt gestartet, reihen sich dort quadratische Bilder und Kurzvideos aneinander, die Donald Trumps älteste Tochter bei der erfolgreichen Bewältigung ihrer Aufgaben zeigen. Mutter, Ehefrau, Schwester, first daughter, Unternehmerin, Beraterin, Antreiberin, Verkäuferin, Stilikone, Golferin, Bogenschützin, Catwoman, Monstertruck-Fahrerin, Frauenrechtlerin. Und so weiter. Jeder Schnappschuss ist perfekt oder auf perfekte Weise unperfekt. Wer lange genug scrollt, findet sogar Ivanka Trump ohne Make-up.

Der Präsident hingegen? Hat es nicht so mit durchkomponierter Social-Media-Vollkommenheit. Er ist der Twitter-Sheriff, schießt aus der Hüfte, unterwirft Logik, Wahrheit, Contenance und Sprache einer Agenda, die stets nach dem größtmöglichen 140-Zeichen-Aufreger strebt. Unfair! Terrible! Sad! Auf Computerbildschirmen und Smartphonedisplays erlebt man Donald Trump als Gegenteil seiner  Tochter. Im echten Leben ist es ähnlich.

Er ist Hitzkopf und Impulsmensch, schnell beleidigt, noch schneller beleidigend. Sie hat die Beherrschung des eigenen Körpers und der eigenen Sprache gemeistert, sieht immer gleich aus, sagt immer das Gleiche, kühl, wohlüberlegt, mit Samtstimme. Wo es Donald Trump die Haare verweht, ihm die Gesichtszüge entgleiten, bleibt Ivanka Trump makellos, die Frisur einbetoniert, das Lächeln festgefroren. Niemals würde sie pampig mit der Hand herumfuchteln wie ihr Vater. Sein Stil ist Prunk und Protz, immer ein bisschen notgeil. Ihrer ist subtile Park-Avenue-Eleganz, andeutungsweise sexy.

Tochter cum laude

Ivanka Trump ist das Lieblingskind ihres Vaters, das weiß sogar der kleine Barron. Man kann dem Präsidenten diese Bevorzugung nicht einmal verübeln: Sie war Einserschülerin auf dem Eliteinternat, Ballerina und Model, Cum-laude-Absolventin einer Ivy-League-Uni. Mit Mitte 20 stieg Ivanka zur Nummer zwei des familieneigenen Immobilienimperiums auf. Später brachte sie Mode- und Schmuckkollektionen heraus, erfolgreichen Homeshopping-Chic für Karrierefrauen. Mit 27 heiratete sie Jared Kushner, ebenfalls Milliardenerbe und Bauunternehmer, zugleich Prachtexemplar der Generation Normcore. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter. Über Lieblingskinder ist nichts bekannt.

Im Wahlkampf ihres Vaters kam Ivanka Trump dank dieser Vorzeigebiografie die Rolle eines Blitzableiters zu. Regelmäßig bürgte sie für die Großzügigkeit und Großartigkeit von Donald. Rutschte ihm ein sexistischer Spruch heraus, erinnerte sie an ihren steilen Working-mom-Aufstieg zur führenden Bauherrin der Trump Organization. Zündelte er mit antisemitischen Ressentiments, verwies sie auf ihren jüdisch-orthodoxen Ehemann und ihre eigene Konvertierung zum Judentum ("Incredible experience!"). Auf dem Parteitag der Republikaner nannte Ivanka Trump ihren Vater "farbenblind und geschlechtsneutral", und sie meinte es nur gut mit ihm. Wer käme auf die Idee, das Urteil einer solchen Erfolgsfrau anzuzweifeln?

Diese interaktive Präsentation kann mit Ihrem Browser nicht dargestellt werden.
Lesen Sie die Übersicht zum Team Trump: Kabinett und Berater in einer optimierten Fassung.

Nun, da Donald Trump das Weiße Haus und die Familie seiner Tochter eine Stadtvilla im Washingtoner Reichenviertel Kalorama bezogen hat, stellt sich die Frage nach Ivankas nächster Rolle. Im Gegensatz zu Kushner, der als einer der führenden Berater des Präsidenten nur wenige Bürotüren vom Oval Office entfernt sitzt, bekleidet sie kein offizielles Amt im Regierungsstab. Dennoch ist sie ständig im Weißen Haus zu sehen: in Meetings mit den wichtigsten Einflüsterern des Präsidenten, aber auch bei den Antrittsbesuchen von Staatschefs wie Shinzō Abe und Justin Trudeau. Es gibt Menschen, die sich von ihr einen mäßigenden Einfluss auf Donald Trump erhoffen.