In Hamburg sind die Nannen-Preise 2017 verliehen worden, mit denen alljährlich die besten Journalistinnen und Journalisten in Print- und Webjournalismus sowie Fotografie ausgezeichnet werden. Bei der Preisverleihung erinnerte Außenminister Sigmar Gabriel vor 500 Gästen an das Schicksal der in der Türkei inhaftierten Journalisten, einer von ihnen ist der Welt-Redakteur Deniz Yücel. Angesichts weltweiter Einschränkungen der Pressefreiheit sagte der Minister: "Freiheit der Presse ist kein Accessoire, das man sich leisten kann, wenn die Zeiten gut sind."

Die Chefredaktion des Magazins Stern, an dessen Gründer Henri Nannen der undotierte Preis erinnert, vergab ihren Sonderpreis an die türkische Fernsehmoderatorin Banu Güven, die seit 2014 für den kurdischen TV-Sender IMC arbeitete. Im September 2016 wurde der Sender laut Stern von der Polizei wegen angeblicher Nähe zu Terrororganisationen geschlossen. Güven machte in sozialen Medien weiter, unter anderem mit einem Podcast auf Facebook.

Der renommierte Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage ging an Amrai Coen und Tanja Stelzer von der ZEIT für ihren Text Brüssel, 22. März 2016. Sie hatten für ihre Reportage Überlebende der Anschläge von Brüssel am 22. März 2016 begleitet und beschrieben, wie diese nach dem Terror weiterleben. "Mit ihrem Einfühlungsvermögen ist ihnen eine einzigartige Reportage gelungen", lobte Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer.

Auch der Preis für die beste Dokumentation ging an eine ZEIT-Autorin: Nicola Meier überzeugte die Jury mit ihrem Dossier Wer rettet Klara?. In dem Beitrag geht es um ein todkrankes Kind, dem ein Medikament helfen könnte, das noch nicht zugelassen ist.

Ein sechsköpfiges Team der Süddeutschen Zeitung wurde für die beste investigative Leistung ausgezeichnet: Bastian Obermayer, Frederik Obermaier, Vanessa Wormer, Katrin Langhans, Mauritius Much und Hannes Munzinger brachten die Panama Papers ans Licht und enthüllten, wie eine panamaische Kanzlei weltweit Unternehmern, Politikern und Prominenten half, ihr Geld zu verstecken. Keine Enthüllung sei folgenreicher gewesen, befand die Jury.

Auch Nachwuchsjournalisten wurden geehrt: Der aktuelle Jahrgang der Axel-Springer-Akademie hat 13- bis 17-Jährigen den Holocaust erklärt – mithilfe des sozialen Dienstes Snapchat. Mit ihrem "innovativen und mutigen" Snapchat-Projekt Sachor Jetzt setzten sich die Nachwuchsjournalisten in der Kategorie Bestes Web-Projekt durch.

In der Kategorie Beste Reportage-Fotografie gewann Bieke Depoorter mit Dürfen wir bei Ihnen schlafen?. Im Magazin Geo zeigte sie Nahaufnahmen aus dem Alltag ägyptischer Familien, fünf Jahre nach der Revolution. Für die beste inszenierte Fotografie wurde Jean François Bouchard ausgezeichnet, der mit Jody war eine Frau im Magazin Stern Porträts von Männern zeigte, die als Frauen geboren wurden. Er habe die Transsexuellen nicht bloßgestellt, sondern intim und respektvoll dargestellt, sagte die Jury.