Ein Einspieler von US-Präsident Donald Trump in der Sendung "Fox And Friends" auf einem Monitor vor dem Fox News Studio in New York. © Drew Angerer/Getty Images

2017 hätte das Annus mirabilis von Fox News werden können. Nach acht Jahren mit einem verhassten Präsidenten Obama war endlich wieder ein Republikaner an der Macht. Und nicht irgendeiner: Donald Trumps Tweets und Meinungen kreisen um die typischen Fox-Themen, manchmal wiederholt er sogar wortwörtlich die Meinungen von Bill O’Reilly, Sean Hannity und dem Frühstücksfernsehen bei Fox & Friends.

Mitt Romney und John McCain hatten versucht, Fox News für ihre Zwecke zu manipulieren. Bei Trump liegt die Sache nun umgekehrt: Er sieht die Sendung und übernimmt deren Positionen unkritisch. Das führte dazu, dass nach der Wahl die Werbeeinnahmen in Fox-Sendungen, die der Präsident anschaut, in die Höhe schossen. Der Zeitgeist schien sich also auf Fox News zuzubewegen. Und dennoch wird 2017 wohl eher als Krisenjahr in die Geschichte des Senders eingehen.

Im April wurde Bill O'Reilly gefeuert, mehr als 20 Jahre das Gesicht des Senders. Dem Moderator des O’Reilly Factor wurde vorgeworfen, er habe Mitarbeiterinnen und weibliche Gäste seiner Show systematisch belästigt. Die Anzeigenkunden zogen sich zurück, viele Moderatorinnen wechselten zur Konkurrenz. O'Reillys Weggang ist für Fox ein herber Verlust. Denn das Kunststück, schrilles Eifern als gemäßigten Common Sense zu verkaufen, verstand außer ihm nur eine: Megyn Kelly, die den Sender für MSNBC verlassen hat – unter anderem wegen O'Reilly.

In diesem Jahr allein haben zudem mehr als ein dutzend nicht-weiße ehemalige und aktuelle Fox-Mitarbeiter den Sender wegen "verabscheuungswürdiger, unerträglicher, rechtswidriger und feindseliger Diskriminierung" verklagt, und Fox dabei als "näher an einer Plantage als einem modernen Arbeitsplatz" beschrieben.

Das Hauptproblem aber ist Trump selber. Ohne Fox News gäbe es keinen Präsident Trump: Der Kanal hat ihn über Jahre zur moralischen Autorität stilisiert, hat seinen Theorien Schützenhilfe geboten, wenn es sonst niemand tat. Allerdings ist Trump nicht nur ein dankbarer Zubringer, sondern vor allem ein dienstbarer Konsument der Desinformationen, die Fox verklappt. Seine für ihn selber katastrophale Behauptung, Barack Obama habe ihn bespitzeln lassen, schrieb Trump einem "brillanten Juristen" zu – gemeint war Richter Andrew Napolitano, Rechtsexperte bei Fox und seit Jahren kein aktiver Jurist mehr. Als sich die Sache immer weiter hochschaukelte, musste Trumps Pressesprecher Sean Spicer erklären, wieso der Präsident Fox-Moderatoren mehr Glauben schenke als seinem eigenen Geheimdienst. Der Sender musste Napolitano zwischenzeitlich beurlauben.

Das System Fox ist aus dem Gleichgewicht geraten. Ein Präsident, der alles nachplappert, was das eigene Programm ihm vorfabuliert, hat sich für den Sender als zweifelhafte Segnung erwiesen. Der Kanal wollte ernst, aber nicht beim Wort genommen werden – das gehörte zum Geschäftsmodell von Fox, lange bevor es Trumps wurde.

Noch schwieriger: Der Präsident orientiert sich inzwischen rechter als Fox, bezieht seine Stichworte von Moderatoren, die selbst bei dem ultrakonservativen Sender keiner ernst nimmt: dem Radio-Talker Rush Limbaugh oder dem Verschwörungstheoretiker Alex Jones von der Website InfoWars, der schon mal behauptet, die US-Regierung stecke hinter dem 11. September, oder das Schulmassaker in Sandy Hook sei eine Hollywood-Produktion gewesen.