Joachim Kaiser ist tot. Der leitende Redakteur der Süddeutschen Zeitung (SZ) und Musikkritiker starb im Alter von 88 Jahren, wie die SZ mitteilte. Demnach ist Kaiser nach längerer Krankheit in München gestorben.

Der 1928 in Milken im damaligen Ostpreußen geborene Kaiser zählte zu den einflussreichsten Musik-, Theater- und Literaturkritikern Deutschlands. Nachseinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Soziologie in Göttingen promovierte Kaiser in Tübingen. Seine wichtigsten Lehrer waren Theodor W. Adorno und Nicolai Hartmann. Nach Stationen unter anderem bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde Kaiser 1959 Redakteur im Feuilleton der SZ. Ab 1977 übernahm er zusätzlich bis 1996 eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.

Kaiser war Mitglied in der renommierten "Gruppe 47" um Hans Werner Richter. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Buch Große Pianisten unserer Zeit, in der er sich der musikalischen Welt Beethovens und Mozarts annahm. In Leben mit Wagner beschäftigte er sich mit dem Komponisten Richard Wagner. Kaiser bekam 1993 den Ludwig-Börne-Preis. In der Begründung schrieb Kritikerkollege Marcel Reich-Ranicki über Kaiser: "Er, der Sachwalter der Vernunft und der Toleranz, der leidenschaftliche und heitere Aufklärer im Reich der Kunst, ist der einzige deutschsprachige Kritiker von Rang und Format, der gleichermaßen unterhaltsam und belehrend, geistreich und urteilssicher über Musik, Literatur und Theater zu schreiben vermag."