Das wirft die drängende Frage auf, wie man den Schornstein und die Aschehäufchen im Zusammenhang mit Anne Frank sonst auslegen sollte. Und für wie blöd man die Gesellschaft hält. Oder für wie verroht. Ein Anne-Frank-Witz ist kein Witz. Antisemitismus ist kein Humor, auch keine Dummheit oder Geschmacklosigkeit. Man kann es natürlich als schwarzen Humor interpretieren, wenn andere den Holocaustüberlebenden und deren Nachkommen ins Gesicht spucken, solange nur ein Zwinkersmiley angehängt wurde. Man muss dann allerdings damit rechnen, in einer ganz bestimmten Ecke zu landen, in der der Mief von 1938 unter einer Käseglocke aus Verdrängung und Schönrederei zeitresistent stehenblieb.

Die Spitzenkandidatin der Aktionsgemeinschaft streitet ab, jemals etwas von dieser Gruppe gewusst zu haben. Laut der österreichischen Zeitung Kurier ist die AG-Spitzenkandidatin bei der Wahl der Österreichischen Hochschülerschaft, Silvia Grohmann, Mitglied der Facebookgruppe "Aktive AG Jus'ler". Dort werden zwar an und für sich Sachthemen besprochen, aber auf verschiedenen Screenshots, die der Tageszeitung zugespielt wurden, ist zu sehen, dass auch dort Fotos von Adolf Hitler auftauchen.

Keine Erkenntnis

Mit Verzögerung und auf Nachfrage von Politikern und Studierendenvertretern anderer Fraktionen äußern sich nun die Spitzenkandidatin, der Außenminister Sebastian Kurz und andere Funktionäre. Betroffene Personen werden mit dem Ausschluss konfrontiert. Einer von ihnen entschuldigt sich. Bei Kollegen und Partei. Nicht aber bei den Überlebenden des Holocausts oder deren Nachkommen. Wozu auch. Es geht ja nur um Schadensbegrenzung und nicht um Schuldbewusstsein, geschweige denn Erkenntnis.

Ein paar Tage nach der Veröffentlichung spricht kein einziger ÖVP-Minister mehr von der Angelegenheit. Niemand thematisiert die Gefahr eines solcherart unterwanderten Justizwesens, keiner schlägt einen Untersuchungsausschuss vor. Oder Lösungsansätze, wie man solche Eskalationen in Zukunft behandeln sollte. Störfelder will man sich nicht leisten. Die Jüdische Hochschülerschaft hat soeben den Ausschluss der AG Jus von der Wahl bei Staatsanwaltschaft und Wahlbehörde wegen der AG-Leaks beantragt. Offenbar sind auch einige betroffene Funktionäre immer noch nicht zurückgetreten. Man wird sehen, wie nun entschieden wird.