Es gibt das Teebeutelset "Berliner Teaparty" mit ihr (bei Amazon derzeit nicht erhältlich). Damit kann man sie in einen Becher heißes Wasser hängen. Und es gibt eine knallrote "Angie Citruspresse" für 14,50 Euro (ein Produkt aus dem Haus Inkognito, laut Selbstbeschreibung handelt es mit "Kunst, Humor und Satire"). Ansonsten sind keinerlei Merchandising Artikel mit Angela Merkel bekannt, der in Europa am längsten regierenden Staatschefin.

Margaret Thatcher, genau wie Merkel eine Naturwissenschaftlerin, brachte es als Vorsitzende der Konservativen und Premierministerin in England innerhalb kürzester Zeit zu Kultstatus. Es kursierten jede Menge Anekdoten und Witze über sie, man widmete ihr hasserfüllte Songs und verschonte auch ihren Ehemann Denis nicht.

Zahllose deutsche Kabarettisten beschränkten sich darauf, Angela Merkels Körper zu diffamieren, statt ihre Politik zu denunzieren. Urban Priol ließ erst die Schultern nach vorne fallen, platzierte ruckartig den Kopf dazwischen und als Krönung der politischen Satire folgte ein entenhafter Watschelgang mit seitlich abgespreizten Händen. Voilà, eine simple, aber massenbelustigungstaugliche uckermärkische Version von Daisy Duck.

Fast jeder Politiker im Rang einer Angela Merkel (viele gibt es nicht) werden mit ein, zwei Eigenschaften ikonisch. Thatcher: die eiserne Lady mit Handtasche, Schäuble: der Sparfuchs, Obama: smart, Sarkozy: ein herumflitzender Filou, Kohl: gemütlich, Trump: dumm und gefährlich. Aber Angela Merkel? Sie bleibt die Frau ohne Eigenschaften.

Doch es umgibt sie eine Aura, die mit wenigen Worten kaum zu umschreiben ist. Immer wieder anerkennend herausgehoben wird ihre Disziplin. Nie sieht man sie schwächeln oder stolpern. Seltene Momente des Wegnickens hebt sie sich für den Bundestag auf. Auf dem internationalen Parkett bleibt sie wach.

Auch besitzt Merkel die außerordentliche Gabe, Respektlosigkeiten und Versuche der Erniedrigung weder zu kontern, noch zu kommentieren. Egal, ob es sich um George Bushs überraschende Massageattacke handelte oder um Seehofers Breiteierigkeit, mit der er ihr eine Standpauke hält, als handele es sich um seine Tochter, die eine Schramme in seinen Wagen gefahren hat. Ihren eisernen Nerven und ihrer Geduld ist es zu verdanken, dass die betreffenden Männer die Erfahrungen machen durften, dass sie es sind, die anschließend armselig aussehen.

Während man so darüber nachdenkt, welches Frauenbild sie wohl vermittelt und was man als Geschlechtsgenossin von ihr lernen könnte, fällt auf, wie konsequent sie ihr Privatleben, ihre Ehe, ihr Verhältnis zu ihren Stiefkindern und Geschwistern aus der Öffentlichkeit heraushält.